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Tunesien - Schüsse und Hoffnung

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Tunesien - Schüsse und Hoffnung

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Nach einem weiteren Chaostag hoffen viele in Tunesien auf ruhigere Zeiten. Für Montag sind Details zur angestrebten “Regierung der nationalen Einheit” angekündigt. Auf den Straßen scheinen sich Armee, Nationalgarde und Polizei gegen Getreue des geflohenen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali durchzusetzen.

Nach heftigen Schießereien in Tunis hatte das Staatsfernsehen von zwei Scharfschützen auf Dächern in der Nähe der Zentralbank berichtet, die von einem Hubschrauber aus mit Schüssen getötet worden seien.

Geschossen wurde offenbar auch rund um den Präsidentenpalast in Karthago in der Nähe von Tunis. Dort sollen sich Militärs gegen Mitglieder der Präsidentengarde durchgesetzt haben.

“Wir können die Ben Ali-Leute nur in Schach halten, wenn wir zusammenarbeiten,” so ein Passant, “dann können wir auf ganzer Linie gewinnen.”

Eine Frau aus Tunis meint: “Diese Tage jetzt sind nicht schwieriger als die zuvor, also die Ära Ben Ali. Es kann nur besser werden, solange die Tunesier zusammenhalten.”

Trotz der Polizei-Präsenz und trotz der Kontrolle der Armee – die Angst ist noch nicht überwunden. Auch Bürgerwehren versuchen, Zivilisten gegen Übergriffe von Polizisten zu verteidigen. Immerhin starben seit Beginn der Proteste weit mehr als 130 Menschen.

Jamel Ezzedini, euronews:
“Organisierte Banden machen weiterhin Beute und attackieren selbst am hellichten Tag – auch das Team von euronews. Ob die Sicherheitskräfte die Oberhand behalten, werden erst die nächsten Tage zeigen.”

Ex-Präsident Ben Ali hatte das Land 23 Jahre lang autoritär regiert und war vor zwei Tagen geflohen.