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Tunesien - zwei Tage danach

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Tunesien - zwei Tage danach

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Tunesien hat einen weiteren Chaostag erlebt. Während Politiker sich um eine Regierung der nationalen Einheit bemühen, ist die Lage auf den Straßen unübersichtlich.

Am Nachmittag waren im Zentrum von Tunis heftige Schießereien zu hören. Das Staatsfernsehen berichtete von zwei Scharfschützen auf Dächern in der Nähe der Zentralbank, die von einem Hubschrauber aus mit Schüssen getötet worden seien.

Seit Beginn der Proteste starben weit mehr als 130 Menschen, darunter laut dpa auch ein deutsch-französischer Pressefotograf, den eine Tränengasgranate am Kopf getroffen hatte.

Berichte kursieren, wonach Polizisten plündernd durch die Gegend ziehen. Nach dem Verschwinden des Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali gelten sie als die großen Verlierer. Ihr Image: korrupt und brutal.

Die Armee sei sehr darauf bedacht, Gewalt zu verhindern, so Beobachter. Sie habe viele Polizisten festgenommen, vor allem aus Ben Alis Eliteeinheiten.

Auch Bürgerwehren versuchen, Zivilisten gegen Übergriffe von Polizisten zu verteidigen – aber wie unterscheidet man eine Bürgerwehr von

marodierenden Banden ?

Ex-Präsident Ben Ali hatte das Land 23 Jahre lang autoritär regiert und war vor zwei Tagen geflohen.

Binnen 24 Stunden kam das Mittelmeerland auf drei Präsidenten.