Eilmeldung

Eilmeldung

"Baby Doc" kehrt heim nach Haiti

Sie lesen gerade:

"Baby Doc" kehrt heim nach Haiti

Schriftgrösse Aa Aa

59 Jahre alt ist der Mann, den die Haitianer einst als “Baby Doc” fürchten lernten und schließlich verjagten. Das ist auch schon wieder 25 Jahre her – da war gut die Hälfte der heutige Bevölkerung noch nicht geboren. Setzt der einstige Diktator vielleicht auf die Vergesslichkeit des einst von ihm drangsalierten Volkes? Vor 13 Jahren antwortete er auf die Journalistenfrage, ob er wieder in Haitis Politik mitmischen wolle, eher ausweichend:

“Heimzukehren ist mein größter Traum.”

Damit John Jean-Claude 1971 mit nur 19 Jahren Präsident werden konnte, hatte der damals schon kranke “Papa Doc” noch schnell die Verfassung ändern lassen. Vater Francois war ein kleiner Landarzt, ehe er sich Ende der 1950er Jahre zum Diktator aufschwang. Daher das Kürzel “Doc” in beider Spitznamen. Die Herrschaft von “Papa Doc” war für Land und Leute alles andere als heilsam.

Graham Green hat in seinem Roman “Die Stunde der Komödianten” beschrieben, wie die berüchtigten “Tonton Macoute” jede Opposition im Blut erstickten. “Papa Doc” liess sich mit Gattin als Blumenfreund filmen, während seine Untertanen aus blanker Not die Wälder abholzten, um Brennmaterial zu bekommen. Haitis ökologische Katastrophe begann unter seiner Herrschaft der Korruption und Selbstbereicherung. Francois Duvalier war “Präsident auf Lebenszeit”.

Für sein bitterarmes Volk hatte “Papa Doc” nur den zynischen Satz: “Jedes Land braucht einen starken Mann. Keine Diktatur. Keinen Diktator. Aber einen starken Mann.”

Sohn Jean-Claude versuchte es zunächst mit etwas mehr Zuckerbrot. Die Ansiedlung ausländischer Niedriglohnbetriebe und der zeitweise florierende Tourismus linderten aber nicht die Not der Massen.

Und jedes Aufbegehren wurde sofort brutal niedergeschlagen.

Papst Johannes Paul II. mahnte “Baby Doc” 1983 mit den Worten:” Hier muss sich etwas ändern!”

Das mit dem Ändern nahm 1986 das Volk selber in die Hand. Was als Hungerrevolte begann endete mit der Vertreibung des Diktators. Im französischen Exil scheint ihm das Geld ausgegangen zu sein.

Seine reiche Frau hat ihn schon vor Jahren verlassen. Zuletzt soll er sehr bescheiden im ärmlichen 20. Arrondissement von Paris gewohnt haben.