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Tunesien im Übergang

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Tunesien im Übergang

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In der Hauptstadt Tunis wird gegen die Einheitspartei des geflohenen Staatschefs demonstriert. Die hat 1,5 Millionen Mitglieder – bei einer Bevölkerung von gut 10 Millionen.

Es lief wohl wie dazumal in der DDR:

wer etwas werden wollte, wurde erst einmal Mitglied der herrschenden Partei.

RCD raus” steht auf dem Zettel.

“Wie kann man Lügnern vertrauen? Die wollen wir nicht mehr”, ruft die Demonstrantion dem Reporter zu.

In den Straßen von Tunis hat die Epoche nach Ben Ali bereits begonnen. Für Ruhe sorgt die Armee.

Es heisst, den Entschluß zu gehen habe Ben Ali gefasst, nachdem ihm die Generäle klargemacht hatten, dass sie nicht aufs Volk schießen werden.

Aber wie soll man eine Koalitionsregierung bilden, wenn die oppositionellen Kräfte so schwach sind?

Dieser “Mann auf der Straße” meint, man könne zumindest für eine Übergangszeit nicht auf die Fachleute aus dem alten Regime verzichten. Man brauche deren Erfahrung, bis das Volk eine neue Regierung gewählt hat.”

Gespräche mit der Opposition haben bereits begonnen. Zunächst mit jener “legalen Opposition”, die einige Sitze im Parlament hat. Die wurde völlig von den Ereignissen überrascht.

Wen der amtierende Ministerpräsident am Kabinettstisch nicht sehen will, hat er schon klar gesagt. Die Kommunisten und die Islamisten, die beide gerade erst ihre Rückkehr aus dem Exil vorbereiten.

Der Analyst Nourredine Mbarki zählt zu den beiden genannten noch die links-gerichtete “Kongreßpartei für die Republik” hinzu, die von dem in Frankreich lebenden Arzt Moncef Marz Und dann gibt es auch noch die Einheitsgewerkschaft.

Unter Ben Ali hundertprozentig gleichgeschaltet hat sie sich schon während der Unruhen als mögliche Keimzelle einer sozial-demokratischen Bewegung gezeigt.

uki geführt wird.

Er hält es für nötig, dass diese drei Parteien einbezogen werden und stellt dann die Frage:

Wie soll man mit der Verfassung umgehen?

Abschaffen? Neu schreiben?

Er wäre damit ein Kandidat, der niemals mit dem alten Regime gemauschelt hat.

Seine erste Sorge: die Oppositionskräfte müssen eine gemeinsame Basis finden.

Moncef Marzouki hat bereits seine Kandidatur für die kommende Präsidentschaftswahl angekündigt.

Er wäre damit ein Kandidat, der niemals mit dem alten Regime gemauschelt hat.

Seine erste Sorge: die Oppositionskräfte müssen eine gemeinsame Basis finden. Er sagt:

“Wir werden zusammenarbeiten, damit keiner dem tunesischen Volk den Sieg rauben kann und damit es Wahlen gibt, die wirklich frei und sauber ablaufen”.

Und dann gibt es auch noch die Einheitsgewerkschaft. Unter Ben Ali hundertprozentig gleichgeschaltet hat sie sich schon während der Unruhen als mögliche Keimzelle einer sozial-demokratischen Bewegung gezeigt.