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Tunesische "Jasmin-Revolution" und arabische Folgen

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Tunesische "Jasmin-Revolution" und arabische Folgen

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Das ist neu in der arabischen Geschichte:

Kein Putsch führt zum Regimewechsel.

Ein Volk schafft es, selber seinen Diktator zu verjagen. In einer Zeit, da derartige Umstürze mit so poetischen Namen wie die “samtene” oder “Rosenrevolution” bedacht werden, haben die Tunesier jetzt ihre “Jasmin-Revolution.”

Angefangen hatte es im Dezember mit einem Aufschrei der Not.

Der ist aber auch in der Nachbarschaft gehört worden, ebenso wie die folgenden Forderungen der Demonstranten. In tunesischen Sidi Bouzid hatte sich ein arbeitsloser, von der Polizei drangsalierter Hochschulabsolvent mit Benzin übergossen und angezündet. Die gleiche Not führte daraufhin im Nachbarland Algerien zur selben Verzweiflungstat.

Es sind zuerst die Jungen, die demonstrieren.

Sie wollen sich nicht abfinden mit der allgegenwärtigen Hoffnungslosigkeit.

In diversen arabischen Ländern – auch im weiter entfernten Jemen – ist die Botschaft aus Tunesien angekommen: Man muss einen diktatorischen Alleinherrscher nicht bis an dessen Lebensende erdulden! Der in Sanaa regiert schon 32 Jahre.

Ihm ruft der “Mann auf der Straße” zu:

“Unsere Botschaft an die Unterdrücker lautet:

Haut ab bevor wir euch Beine machen!!”

Mubarak in Ägypten, Saleh in Jemen, Bouteflika in Algerien und mit Abstrichen auch König Hussein in Jordanien – sie alle führen ihr Land wie einen Familienbetrieb.

In Jordanien kommen zu den sozialen Problemen noch jene aus dem Nah-Ost-Konflikt. Vor gut 40 Jahren hatte die PLO von Palästinenserführer Arafat versucht, die Macht im Lande zu übernehmen.

Der junge König reagiert heute ebenso mit harter Hand, wie er es von seinem Vater gelernt hat.

Doch nun scheint der Funken der Hoffnung aus Tunesien auch hier zu zünden.

Ruhig ist es hingegen noch in Libyen und Syrien.

Damaskus regiert bereits der Sohn des ersten “starken Mannes” .

In Tripolis hält sich seit fast 42 Jahren Oberst Gaddafi , der sein Regime schon durch diverse jähe Wendungen manövriert hat.

Und dann sind da auch noch die Palästinenser, die unter allen arabischen Völkern am meisten leiden.