Eilmeldung

Eilmeldung

Neue Zeiten auch in Tunesiens Medien

Sie lesen gerade:

Neue Zeiten auch in Tunesiens Medien

Schriftgrösse Aa Aa

Erstmals seit über zwei Jahrzehnten bekommen die Tunesier etwas über SICH zu lesen – nicht nur über den Präsidenten und die Regierung. Bislang wurden fast alle Printmedien und Radio und Fernsehen vom Staat kontrolliert oder standen der Regierung nahe.

Der Layouter von “La Presse” erzählt, was das für die Titelseite hieß: “Ein Foto des Präsidenten – oder ein Foto von der Frau des Präsidenten. Selbst wenn es nichts über den Präsidenten zu berichten gab, dann erfand man irgendeinen Vorwand, um über den Präsidenten zu berichten.”

Bei “Reporter ohne Grenzen” stand Tunesien auf einem der letzten Plätze in Sachen Pressefreiheit. Auch “La Presse” wurde vor allem von der Regierung finanziert. Der Direktor führt nun nur noch die Finanzgeschäfte. Früher sorgte er dafür, dass Instruktionen von oben umgesetzt wurden.

“Es gab bestimmte Hinweise, ja, die erhielt man, klar. Per Telefon”, räumt er mit sichtlichem Unbehagen ein. Und auf die Frage von wem er Anweisungen bekam und welche: “Normalerweise vom Ministerium, es war der Apparat des Ministeriums.”

Aufbruchstimmung auch bei Radio Mosaique, das anteilig der Präsidentengattin Leila Trabelsi gehörte. Die Journalisten hier freuen sich über die neu gewonnene Pressefreiheit: Früher durften sie nur die halbe Wahrheit berichten, sagen sie, jetzt die ganze. Das dies auch mehr Verantwortung bedeute, sei ihnen aber ebenfalls klar.