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"Obama und Hu waren schlau genug, etwas Abstand zu gewinnen"

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"Obama und Hu waren schlau genug, etwas Abstand zu gewinnen"

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Wir erleben eine Woche der Höhepunkte in der amerikanisch-chinesischen Diplomatie. Aber wird sie bleibende Spuren hinterlassen? Bei uns ist jetzt Robert Lawrence Kuhn, Autor des Buches “Wie Chinas Führung denkt.”

Nial O’Reilly, euronews:
“Dr. Kuhn, in seinen jüngsten Interviews mit der US-Presse hat Staats- und Parteichef Hu Jintao von einem Bruch mit der Vergangheit gesprochen. Sehen Sie in seiner USA-Reise ein Sprungbrett für einen großen Sprung nach vorn in den Beziehungen zwischen den USA und China?”

Robert Lawrence Kuhn:
“Wir haben das seit langem mieseste Jahr in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen hinter uns – vielleicht sogar das mieseste seit 1972, als die beiden Seiten angefangen haben, wieder miteinander zu reden. Denn was war 2010 los ? Erst mal dominierte die Wirtschaftskrise, dazu kamen Handelsungleichgewichte, der Währungszwist. Dann noch die Waffenlieferungen an Taiwan, der Streit über Menschenrechte und den Friedensnobelpreis und zu guter Letzt äußerte sich China aggressiv zum Südchinesischen Meer.

An dieser Stelle waren nun sowohl Präsident Obama als auch Präsident Hu schlau genug, zu sagen: ‘lasst uns etwas Abstand gewinnen.” Lasst uns den Besuch von Präsident Hu nutzen, um das Verhältnis in gewisser Weise grundsätzlich neu zu definieren. Das ist das Wichtigste, obwohl sie auch über Umwelt, Erderwärmung, die heikle Taiwan-Frage, Außenhandel und Menschenrechte sprechen. Was aber bedeutender ist als all das, ist dieses Bild: Präsident Obama lädt Präsident Hu zu einem privaten Abendessen ins Weiße Haus.”

euronews:
“Welche Seite wird am Ende dieses Besuch glücklicher sein als zuvor ?”

Robert Lawrence Kuhn:
“Also, ich denke, die Chinesen haben eine konkretere Vorstellung von dem, was sie an Symbolkräftigem erreichen wollen. Die amerikanische Seite will eher in Einzelfragen weiterkommen, bei Themen wie Nordkorea und Iran und den sensiblen Details von Währungs- und Handelsungleichgewichten. Bei all diesen Themen dürfte es Bewegung geben, aber nicht allzu viel. Und wer auf echte substanzielle Durchbrüche wartet, wird wahrscheinlich enttäuscht.”

euronews:
“Manche meinen, dass für Präsident Hu mehr von dem Besuch abhängt als für Präsident Obama.”

Robert Lawrence Kuhn:
“Nun, beide Präsidenten haben da so ihre Aktien drin. Präsident Obama hat eine Wahl hinter sich, bei der er einen ordentlichen Dämpfer bekam. Er will wiedergewählt werden und überlegt, wie er das anstellen könnte. Arbeitplätze sind da wichtig, sein Auftreten auf der Weltbühne. Wie bringt er die Tatsache rüber, dass sich in der amerikanischen Wirtschaft wieder etwas Leben regt. Und China spielt in all diesen Fragen eine entscheidende Rolle.

Bei Präsident Hu wiederum ist das Ende seiner zweiten Amtszeit in Sicht – 10 Jahre im Amt – und dies ist für ihn so etwas wie ein Abschiedsbesuch, bei dem er sein Erbe besichtigt. Er hat Präsident Obama bisher siebenmal getroffen. Aber das ist der erste Staatsbesuch eines chinesischen Staatschefs bei Präsident Obama. Das hebt die Bedeutung. Wenn er jetzt also mit all dem Tamtam in Washington empfangen wird zum großen Staatsbesuch, das die Vereinigten Staaten auch einem Lieblings-Verbündeten zukommen lassen würde – und China ist unterwegs in diese Richtung – dann ist das ist ein guter Teil von Staatspräsident Hus Vermächtnis. Und das kann sich durchaus sehen lassen.”

euronews bringt Ihnen die neuesten Entwicklungen zu Präsident Hus Besuch in den USA, bleiben Sie dran – am Fernseher und online.