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Wer steckt hinter der neuen Libanon-Krise?

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Wer steckt hinter der neuen Libanon-Krise?

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Saudi Arabien hat das Handtuch geworfen und seine Vermittlungsbemühungen im Libanon aufgegeben Mit dem Hinweis, die Lage sei “gefährlich”.

Für Ende Januar war die Anklage vor dem internationalen Tribunal erwartet worden, das den Mord am Politiker Rafik Hariri aufklären sollte.

Durchgesickert war, zu den Angeklagten könnten auch hohe Hisbollah-Vertreter gehören.

Also setzte die Hisbollah Regierungschef Saad Hariri, dem Sohn des Ermordeten, die Pistole auf die Brust:
Entweder derverzichtet auf das Tribunal oder die Hisbollah-Minister gehen und lassen die Regierung platzen. Dass Hariri diese Nachricht ausgerechnet im Weißen Haus erreichte, dürfte Absicht gewesen sein. Wurde ihm doch von der Hisbollah vorgeworfen, nach Befehlen aus Washington zu handeln.

Um Einfluß fremder Mächte geht es im Libanon immer. Man sah Saudi Arabien als die Macht hinter dem Sunniten Hariri und Syrien als Verbündeten der Hisbollah. Saad Hariris Besuch beim US-Präsidenten konnte auch als Geste verstanden werden, die eigene Unabhängigkeit von saudischen Ratschlägen zu bekunden.

Bildlich dargestellt sieht die Einflußnahme so aus:
Frankreich, USA und Saudi Arabien stehen hinter Hariri, Syrien und Iran hinter der Hisbollah von Hassan Nasrallah. Nachdem diese Konstellation zu keiner Lösung geführt hat, sind nun die Türkei und Qatar als “neutrale” Vermittler gefragt.

In einer ersten Gesprächsrunde mit dem eben gescheiterten Regierungschef Saad Hariri haben die Außenminister aus der Türkei und Qatar begonnen, ihre Möglichkeiten auszuloten. Anschließend trafen beide in gleicher Mission Hariris politischen Gegner Nasrallah. Der Hisbollah-Führer fordert nicht weniger als “Schluß mit dem UN-Tribunal”:

Er nennt dessen Ermittlungen ein “isralisch-amerikanisches Komplott, um die Hisbollah zu vernichten”.

Hariri kann sich darauf nicht einlassen.

Gesichtsverlust wäre noch der geringste Schaden.

Da steht nun sein Vater in Bronze – und um das Denkmal herum wächst die Furcht vor einem neuen libanesischen Bürgerkrieg.