Eilmeldung

Eilmeldung

"In Tunesien ist alles möglich."

Sie lesen gerade:

"In Tunesien ist alles möglich."

Schriftgrösse Aa Aa

euronews-Reporter Ali Takach hat mit dem ehemaligen Staatssekretär in Tunesien, Ahmed Bennour, gesprochen.

euronews:
“Wie könnte ihr Land aussehen – verfassungsrechtlich und im Hinblick auf die Sicherheit?”

Ahmed Bennour, ehemaliger Staatssekretär in Tunesien:
“Ich habe die Tunesier immer vor Ben Ali gewarnt. Ich kannte ihn persönlich und ich war überzeugt davon, dass er die Verantwortung nicht übernehmen könnte. Seine Kultur, seine Partei und sein persönliches Ziel war ein Projekt der Vormachtsstellung und des Machterhaltes. Er hatte kein politisches Vorhaben. Das wirkliche Problem ist, dass er ein Komplott für die Zeit nach seinem Abtritt vorbereitet hat. Es war die Politik der verbrannten Erde.”

euronews:
“Entschulding, dass ich sie unterbreche, aber was sind die Details des Komplotts?”

Ahmed Bennour:
“Es wurde sichtbar, als der Sicherheitschef des Präsidenten, ein Offizier, den ich noch aus den Siebzigern kenne, begann, Waffen an seine Leute zu verteilen. Sie sollten sie zunächst gegen die Armee einsetzen und dann private als auch öffentliche Grundstücke angreifen. Dieser teuflische Plan war vorhersehbar, weil wir es schon am 7. November 1987 gesehen haben, als Ben Ali den Präsidenten Bourguiba für unfähig erklärte und selbst die Macht ergriff.”

euronews:
“Also könnte es ihrer Meinung nach, in der Zukunft noch mehr solche Aktionen der Sabotage geben?”

Ahmed Bennour:
“Alles ist möglich. Ich warne jeden, vorsichtig zu sein. In Tunesien kann alles mögliche passieren.”

euronews:
“Denken Sie, dass die arabischen Nachbarstaaten eine Rolle beim zukünftigen Geschehen in Tunesien spielen werden?”

Ahmed Bennour:
“Die Beziehungen zu Algerien sind ausgezeichnet. Präsident Boutaflika und seine Partei respektieren Tunesien. Ich denke nicht, dass die algerische Regierung gegen den Willen der Tunesier eingreifen will. Dagegen hat die Aussage von Präsident Ghadafi die politische Elite in Tunesien geschockt. Denn zu sagen, Benali sei die beste Person in Tunesien, ist eine leichtsinnige Einmischung in die Angelegenheiten Tunesiens.”

euronews:
“Wie sehen sie die Rolle der westlichen Staaten der Revolution gegenüber? Ist die amerikanische und europäische Position gut für Tunesien?”

Ahmed Bennour:
“In jüngster Zeit haben der Westen und besonders Frankreich, sowie andere europäische Staaten aufgegeben, eine Rolle in Tunesien zu spielen. Aber ich bin optimistisch für die zukünftigen Beziehungen, speziell mit Frankreich, mit dem wir ausgezeichnete Verbindungen haben. Ich denke, Frankreich bereut es heute, dass es nicht eine eindeutige Haltung gegen die Diktatur eingenommen hat, als wir unter diesen schwierigen Bedingungen gelebt haben. Jetzt ist der richtige Moment, an die Zukunft unseres Volkes zu denken.”