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Tunesien - der Zug fährt, wer springt noch auf ?

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Tunesien - der Zug fährt, wer springt noch auf ?

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In Tunesien demonstrierten am zweiten Tag der Staatstrauer für die Opfer der Staatsgewalt – Polizisten. Auch sie seien gegen die Interimsregierung, so die Kundgebungsteilnehmer vor dem Sitz des Ministerpräsidenten.

Noch vor drei Tagen waren Polizisten in der Hauptstadt Tunis mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen, die die Teilhabe von Vertretern der alten Elite unter Staatschef Ben Ali am neuen Kabinett kritisierten.

Den Umsturz in Tunesien hatte ein Straßenhändler mit Diplom ausgelöst. Er verbrannte sich, weil er sich von Ordnungskräften schickaniert fühlte.

Übergangspräsident Foued Mebazaa und der vorläufige Regierungschef Mohammed Ghannouchi hatten auch unter Ben Ali hohe Staatsämter inne.

“Ich werde mich nach den Wahlen in sechs Monaten aus der Politik zurückziehen,” kündigte Ghannouchi an. Er versprach, alle undemokratischen Gesetze, wie Wahl- und Antiterrorgesetze ebenso wie das Mediengesetz während der Übergangszeit auszusetzen.

Tunesien habe einen Punkt erreicht, von dem es kein Zurück mehr gebe, sagte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Die EU werde das Land beim Aufbau einer Demokratie unterstützen.

In Tunis üben Polizisten derweil die freie Rede:

“Wir sind die allerletzten und wir werden von allen angegriffen,” ruft einer auf der Demonstration, “auch wir suchen Freiheit, wir sind immer noch nicht frei”

Viele in der Bevölkerung verweigern den Polizisten die Verbrüderung – beim Versuch, den Volksaufstand niederzuschlagen, waren rund 100 Menschen gestorben.

Die Polizisten fordern jetzt eine Gewerkschaft, um ihre Interessen zu vertreten.