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Ägypten - soziale Not schafft politische Spannungen

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Ägypten - soziale Not schafft politische Spannungen

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Kairo im August. Frauen schwenken leere Teller und protestieren lautstark gegen die Preissteigerungen.

Die hohen Preise für Grundnahrungsmittel sind längst nicht mehr nur ein Problem der Ärmsten.

Was da so appetitlich aufgebaut auf den Märkten lockt, wird für viele Ägypter zum überteuerten Luxus.

In Ägypten mit seinen 80 Millionen Einwohnern leben 40 % der Bevölkerung unter dem Armutsniveau, d.h. von weniger als 2 Dollar pro Tag.

Die Not trifft große Familien ebenso wie die Alten, deren Renten nicht mit der Preisentwicklung Schritt halten.

Fatima Ismaeil bekennt, oft wisse sie nicht weiter. Die ganze Familie lebe doch von ihrer Rente, Sohn, Schwiegertochter und Enkel. “Was soll ich kochen”, klagt sie, “wenn ein Kilo vom billigsten Fleisch schon umgerechnet acht Euros kostet?”

So wie ihrem Sohn geht es vielen Universitätsabsolventen. Auch Taha Ahmed Kamal musste erfahren, dass auch eine gute Ausbildung keinen Arbeitsplatz garantiert.

“Es gibt keine Jobs”, sagt er. “Jedes Jahr kommen neue Absolventen ohne Job dazu. Viele von ihnen leiden an Depression, haben aufgegeben.”

Der Wirtschaftswissenschaftler von der “Sadat-Akedemie”, Hamdy Abdel Azim, vergleicht die Lage in Ägypten mit jener in Tunesien. “Arbeitslosigkeit, keine Chancen. In Tunesien haben sich die Reichen das größte Stück vom Kuchen genommen und ebenso sieht es in Ägypten aus. Für die Armen bleiben nur die Krümel.”

Und nun zeigen sich auch in Ägypten die gleichen Folgen. Proteste auf der einen Seite – auf der anderen Akte der Verzweiflung. Auch am Nil haben sich in den vergangenen Tagen mehrere Menschen im Feuer den Tod gesucht.