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Marty: Man braucht den politischen Willen damit die Wahrheit ans Licht kommt

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Marty: Man braucht den politischen Willen damit die Wahrheit ans Licht kommt

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Audrey Tilve, Euronews: “Dick Marty, Sie haben aufsehenerregende Enthüllungen gemacht, zum Beispiel 2006 zu den geheimen Gefängnissen der CIA. Heute nun der Bericht über die Taten der Befreiungsarmee des Kosovo. Der Text wurde soeben vom Europarat abgesegnet. Das ist aber nur eine erste Etappe. Was folgt danach?”

Dick Marty, Sonderermittler des Europarats: “Die parlamentarische Versammlung des Europarats hat ein klares Zeichen gesetzt, und zwar mit breiter Mehrheit, die niemand so vorhersehen konnte.

Nun müssen die politischen und rechtlichen Behörden, die in der Region die Verantwortung tragen und zuständig sind, wirklich handeln. Der Bericht wurde ernst genommen, auch von den Amerikanern, die das deutlich gesagt haben.

Nun sind die Behörden und Institutionen dran, die die Macht in dieser Region haben, den Empfehlungen Folge zu leisten.

Die bestehen darin, an die Rechtsprechung zu appellieren, um für Aufklärung zu sorgen, die sich nicht auf kleine Verbrechen beschränkt, sondern die jeden mit einbezieht. An eine Justiz, die die Zeugen nicht nur BIS zum Prozess, sondern auf DANACH wirksam beschützt.”

Euronews: “Sie bezeichnen Hashim Thaci klar als ein Mitglied der Unterwelt. Haben Sie Beweise, mit denen Sie ein Strafverfahren gegen Hashim Thaci eröffnen könnten?”

Marty: “Herr Thaci wird in allen möglichen Dokumenten genannt, sei es von der Polizei, sei es vom Geheimdienst…”

Euronews: “Berichte, die oft streng vertraulich sind, wie die Geheimdienstunterlagen, von denen Sie in ihrem Bericht sprechen. Aber gibt es tatsächlich unwiderlegbare Beweise? Schließlich hat er gerade die Wahlen im Kosovo gewonnen, er wird sicherlich weiter der Spitze des Landes bleiben…”

Marty: “Schon seit 15 Jahren wird sein Name in allen möglichen Berichten genannt, von der Polizei, von den Geheimdiensten und auch von Kriminologen.

Deswegen müssen wir uns fragen, warum es bisher keine wirklichen Ermittlungen gab, warum wird den Zweifeln nicht auf den Grund gegangen?

Abgesehen vom rechtlichen und vom strafrechtlichen Aspekt gibt es den politischen Aspekt: Wenn man politische Verpflichtungen übernimmt, dann kann man nicht mit solchen Verdächtigungen konfrontiert werden, ohne dass die Situation geklärt wird.”

Euronews: “Die Organentnahmen, von denen Sie sprechen, soll es vor allem auf albanischem Gebiet gegeben haben. Allerdings kann man von albanischer Seite kaum mit Zusammenarbeit rechnen. Wie kann man sie erzwingen? Mit Druck aus dem Westen?”

Marty: “Vor allem muss es einen politischen Willen geben, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Die Gefahr besteht darin, dass es Pseudo-Ermittlungen gibt, damit man sagen kann: Alles ist in Ordnung. Das ist die drohende Gefahr.”

Euronews: “Zur Erinnerung: Der Europarat hat Ihren Bericht soeben angenommen und fordert tiefgehende Ermittlungen.”