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Kantor: Drohgebärden gegen Israel werden unterschätzt

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Kantor: Drohgebärden gegen Israel werden unterschätzt

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Am 27. Januar 1945, vor sechsundsechzig Jahren, wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Wir sprechen nun mit Moshe Kantor in Brüssel, dem Präsidenten des Europäischen Jüdischen Kongresses.

Leslie Alexander, Euronews: 66 Jahre ist es her, warum sollten wir die Erinnerung daran wach halten?

Moshe Kantor, Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses: Wir sind Zeugen vieler Ereignisse, die aktuell in Europa geschehen, die unsere Aufmerksamkeit auf die Lektionen aus dem Holocaust richten. Wissen Sie, nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die durchschnittliche Anzahl der antisemitisch motivierten Taten weltweit mehr oder weniger gleich. Nur 2009 verdoppelte sie sich. Es gibt zwei Arten von Antisemitismus: Einmal den klassischen Antisemitismus, der immer mal wieder ansteigt. Zum Beispiel gibt es Zeitabschnitte, wie die Wirtschaftskrise oder ähnliche Bedrohungen, in der Juden für alles verantwortlich gemacht werden und an allem Schuld tragen. Nun ist eine neue Form des Antisemitismus hinzugekommen: Der Anti-Israelismus.

Dessen Wurzeln liegen im Nahen Osten. Es ist eine pro-iranische Entwicklung.

Euronews: Ich wollte gerade auf Präsident Achmadinedschad zu sprechen kommen und dessen berüchtigten Worte, Israel müsse von der Landkarte ausradiert werden. Nimmt die Welt diese Drohungen ernst genug?

Kantor: Leider werden sie weltweit unterschätzt. Wie damals bei Hitler. Wer hat ihn denn ernst genommen? Diesen kleinen und erfolglosen Künstler aus Österreich, wer hat ihn schon ernst genommen? Jeder hat ihn nur für einen verrückten Kerl gehalten. Was passierte nach der Veröffentlichung von “Mein Kampf”? Die Nürnberger Gesetze und weitere Dinge wurden ins Leben gerufen, die dann in der Endlösung und im Holocaust gipfelten. Jetzt wiederholt sich die Geschichte: Achmadinedschad samt seiner Drohgebärden und der nuklearen Aufrüstung des Iran werden banalisiert und nicht ernst genug genommen. Das ist nicht nur eine Bedrohung für den jüdischen Staat und das jüdische Volk, sondern mit Sicherheit auch für die Europäische Union und deren Bevölkerung.

Euronews: Bitte ganz kurz: Ihren Worten nach zu urteilen wurden keine Lehren gezogen?

Kantor: Die wichtigste Lektion für die Europäische Union lautet folgendermaßen: Betrachten wir mal das Boykottprogramm gegen den Staat Israel, gegen einen demokratischen Staat im Nahen Osten, der ein starker und zuverlässiger Verbündeter der Europäischen Union ist. Durch entsprechende Gesetze sollte in allen EU-Staaten jegliche Diskriminierung eines jeden demokratischen Staates verboten werden.