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Belgien: Europas trauriger Spitzenreiter

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Belgien: Europas trauriger Spitzenreiter

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König Albert II. von Belgien sucht weiter nach einem Weg aus der Staatskrise. Er beriet sich an diesem Donnerstag mit führenden Politikern und Diplomaten des Landes. Der letzte Vermittler Johan Vande Lanotte hatte erst am Vorabend das Handtuch geworfen. Zu unüberbrückbar scheint der Graben zwischen dem niederländisch sprechenden Norden, der mehr Macht will, und dem französischsprachigen Süden Belgiens. Es gibt weder Bewegung in der festgefahrenen Staatsreform noch bei der Regierungsbildung.

Auf den Straßen Brüssels ist die Meinung gespalten. Ein Passant sagt, “die französischsprachigen Belgier haben eine Vision von Belgien, die Flamen sind schon einen Schritt weiter. Es geht hier nicht darum, wer das meiste vom Kuchen oder den Kompetenzen abbekommt. Ich glaube, tatsächlich geht es hier um zwei verschiedene Etappen in der belgischen Geschichte.” Ein anderer Brüsseler zeigt sich vorsichtig optimistisch. Er sagt, “nein, ich denke nicht, dass Belgien auseinanderbricht. Wir sind in einer sehr schwierigen Situation und müssen das auslöffeln. Aber ich denke nicht, dass die Mehrheit in Belgien für eine Teilung ist.”

Am Sonntag hatten Zehntausende in Belgien für eine Regierungsbildung demonstriert. Das Land ist nun seit über sieben Monaten führungslos und damit Spitzenreiter in Europa.

Der Euronews-Korrespondent Sergio Cantone in Brüssel: “Dieser belgischen Webseite zu Folge hat der Irak den Weltrekord inne: 289 Tage ohne Regierung. Belgien könnte noch gewinnen mit bislang 228 Tagen ohne gewählte Regierung. Die Elfenbeinküste ist mit 60 Tagen Außenseiter. Trotz der politischen Krise haben die Belgier ihren historischen Sinn für Humor nicht verloren.”