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Nach Tunis nun Kairo?

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Nach Tunis nun Kairo?

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Hat die in Tunesien entzündete Lunte des Aufruhrs nun auch schon Ägypten entflammt? Husni Mubarak ist in Kairo sogar noch länger an der Macht, als es der aus Tunis geflohene Ben Ali war. Seit Oktober 1981 regiert er ununterbrochen mit dem Mittel des Ausnahmezustandes.

2005 hatte Mubarak erstmals andere Kandidaten zu einer Präsidentschaftswahl zugelassen. Er gewann mit mehr als 88 % der Stimmen und sein wichtigster Herausforderer landete im Gefängnis.

Der 1928 geborene Mubarak absolvierte als junger Mann eine Pilotenausbildung in der Sowjetunion,

stieg in der Armee auf bis zum Generalleutnant und schließlich bis zum Vizepräsidenten.

Nachdem der wegen seinen Politik der Aussöhnung mit Israel 1981 ermordet worden war, übernahm Vizepräsident Mubarak die Staatsführung.

Inzwischen ist Mubarak 82 Jahre alt, im vergangenen Jahr unterzog er sich in einer deutschen Klinik einer Operation. Also ist es Zeit, an einen Nachfolger zu denken. Der steht bereit. Er heißt auch Mubarak, mit Vornamen Gamal.

Der Präsidentensohn mit präsidentsiabeln Ambitionen ist 47 Jahre alt. Hat bei der “Bank of America” gearbeitet. In der Präsidentenpartei machte er eine Blitzkarriere. Es heißt, die Maßnahmen zur Liberalisierung der Wirtschaft von 2004 gingen auf seine Idee zurück. Einfluß hat er vor allem im Plannungskommitee. Mit politischen Aussagen hält sich der Thronfolger noch zurück.

So weiß man auch nicht, wie er zur Oppositiion oder zum Pluralismus steht.

Opposition – das ist in Ägypten zuerst einmal die “Moslembruderschaft”. Verboten – aber toleriert.

Die aktuellen proteste gingen aber nicht von dieser zumindest teilweise “gelenkten Opposition” aus.

Es klingt eher wie “schnell noch auf den Zug aufspringen”, wenn der Sprecher der der Moslembruderschaft, Essam al-Arian, sagt:

“Wir sagen voraus, wenn Türen verschlossen, Wahlen gefälscht und Gewerkschaften gegängelt werden, wenn Studenten ihre Vertreter nicht frei wählen können, dann wird sich der angestaute Unmut über all das in einer Explosion entladen. Wir sehen die Explosion kommen.”

Dass es solange relativ ruhig blieb in Ägypten, hat mit seiner weltpolitischen Rolle zu tun. Ägyptens Präsident Sadat war der erste arabische Staatschef, der Israel nicht vernichten sondern als Partner akzeptieren wollte. Mit dem Friedensabkommen von Camp David schrieb er Geschichte. Und seither wird sein Land als strategischer Partner des Westens gebraucht und gestützt.