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Israels Sorgen beim Blick auf Ägypten

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Israels Sorgen beim Blick auf Ägypten

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In Israel macht sich Unruhe breit ob der unsicheren Lage im Nachbarland Ägypten. Ein Regierungssprecher merkte an: “Amerikaner und Europäer lassen sich von der öffentlichen Meinung mitreißen und haben nicht ihre echten Interessen vor Augen.” Mit Kritik an Präsident Mubarak hält sich Israel bisher auffällig zurück.

Regierungschef Benjamin Netanjahu erinnerte bei der sonntäglichen Kabinettssitzung daran, dass der Frieden zwischen Israel und Ägypten über mehr als drei Jahrzehnte gehalten habe und erklärte dann:

“Es ist unser Ziel, sicherzustellen, dass diese Beziehungen auch weiterhin existieren.”

Noch deutlicher drückte die Tageszeitung “Haaretz” die israelischen Ängste aus. Sie schrieb am Montag,

Israel habe den Westen dazu gedrängt, die Kritik an Mubarak zu dämpfen. Aus Sorge um die Stabilität in der Region setze sich Israel für die Bewahrung des Regimes von Mubarak ein.

Ägypten, das mit 80 Millionen bevölkerungsreichte Land der arabischen Welt, setzt seit gut 30 Jahren die Politik des Friedensabkommens von Camp David fort. Entgegen aller damaligen Hoffnungen hat sich nur Jordanien dieser Politik angeschlossen.

Nur diese beiden arabischen Staaten unterhalten diplomatische Beziehungen mit Israel.

Mit diversen Vermittlungsbemühungen hat Präsident Mubarak versucht, die Spannungen im Nahen Osten zu entschärfen. Vergeblich.

In Israel geht nun die Angst vor der Muslimbruderschaft in Ägypten um. Mubarak hat sie mit harter Hand klein gehalten. Sie ist in Ägypten verboten – aber ein wenig toleriert. Das hat zur Folge, dass diese radikal-islamische Vereinigung unter allen Oppositionskräften in Ägypten die beste Organisationsstruktur hat.

Nun stellt man sich in Israel auch die Frage, wie die Berufung von Geheimdienstchef Omar Suleiman zum Vize-Ministerpräsidenten zu bewerten ist.

Seine israelischen Kollegen kennen Suleiman als verläßlichen Partner bei der Sicherheitspartnerschaft gegen die Hamas.

Aber kann er das bleiben, wenn sich die Machtverhältnisse um ihn herum ändern?

Der ehemalige israelische Botschafter in Ägypten sieht zunächst noch keine besorgniserregenden Änderunge, solange in Ägypten Generäle den Kurs bestimmen. Die seinen dem Frieden verpflichtet und den guten Beziehungen zu den USA. Aber was kommt nach Wahlen? Wen werden Wahlen an die Macht bringen?

Noch ist in Ägypten alles offen. Die Lage erinnert an Ost-Europa nach dem Mauerfall. Alle Oppositionellen wissen, wogegen sie sind.

Aber niemand hat ein Konzept dafür, wie es nach einem politischen Wandel weitergehen soll.