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Sfeir: Die Armee ist das Regime, das Regime ist die Armee

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Sfeir: Die Armee ist das Regime, das Regime ist die Armee

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Frédéric Bouchard, Euronews: Wir sprechen nun mit Antoine Sfeir, dem Chef des Magazins Cahiers de l’Orient. Die Europäische Union hat angekündigt, dass sie für einen “geordneten” Übergang in Ägypten ist. Bei den tunesischen Ereignissen hat sich die EU stärker zurück gehalten, warum nun der Kurswechsel?

Antoine Sfeir, Chef des Magazins Cahiers de l’Orient: Eben weil sie vorher die Erfahrungen mit Tunesien gemacht hat. Die EU war bei der tunesischen Krise nicht präsent, zum einen will sie das bei den ägyptischen Ereignissen ändern. Außerdem ist Ägypten strategisch wichtiger für die EU als Tunesien. Das erklärt, warum die EU bei den Ereignissen in Ägypten nicht völlig fehlen will.

Euronews: Aber warum behalten sich die europäischen Staaten sowie die USA noch vor, Husni Mubarak zum Rücktritt aufzufordern?

Sfeir: Man muss sich einfach vergegenwärtigen, wie sehr Mubarak mit dem Regime und auch mit der Armee gleichzusetzen ist. Er war Chefkommandant der Luftwaffe. Er ist von seinen “Kameraden” Samstag Abend gezwungen worden, einen Vizepräsidenten zu ernennen, einen General – dieser Posten ist seit dreißig Jahren unbesetzt.

Ein weiterer General ist zum Ministerpräsidenten gemacht worden. Die Armee hat die Zügel der Regierung fest im Griff. Die Armee ist das Regime, das Regime ist die Armee.

Euronews: Besteht eine islamistische Gefahr für die ägyptische Armee?

Sfeir: Ja, sicher. Zunächst betrachten wir einmal die Ernennung des Generals Omar Suleiman, der der erklärte Feind der Islamisten, der Muslimbruderschaft, ist. Die Muslimbrüder haben die Ereignisse nicht von Anfang an verfolgt. Sie hatten in einer Mitteilung angekündigt, dass sie nicht an den Demonstrationen teilnehmen würden. Angesichts der Ausmaße wollten sie dann jedoch nicht fehlen. Daher ihre starke Präsenz in Alexandria und Suez. Sie wollen keine Gelegenheit verpassen.

Euronews: Aber könnte die Muslimbruderschaft die Wahlen denn für sich entscheiden?

Sfeir: Nein, so wie die Muslimbruderschaft und ihre Splittergruppen den Tourimus attackiert haben… Der Tourimus ernährt zwei bis drei Millionen ägyptische Familien. Es gibt derzeit die Befürchtung, dass sie die Wahlen für sich entscheiden könnte, doch das würde die Armee nicht zulassen. Sofern die Muslimbruderschaft nicht sofort versucht, die Wahlen für sich zu entscheiden… Sie will vor allem die Gesellschaft kontrollieren, und dann beim demokratischen Spiel mitmischen, um gegenüber dem Westen ein wichtiges Argument auf ihrer Seite zu haben: Seht her, die Demokratie hat uns an die Macht gebracht, ihr könnt uns also nicht die Türen zuschlagen. Der Okzident und die USA sind sich jedoch nicht bewusst, das die Muslimbruderschaft ein Damoklesschwert darstellt.