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Wer sind die Oppositionskäfte in Ägypten?

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Wer sind die Oppositionskäfte in Ägypten?

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Wer kann ein demokratisches Ägypten anführen?

Im Westen setzt man vor allem auf ihn – Mohamed ElBaradei, der Weltruhm erlangte für seine kluge und mutige Führung der Internationalen Atom-Energie-Behörde. Ihn kennen und ihm vertrauen westliche Politiker. Doch spätestens wenn er zu seinen Landsleuten zu reden beginnt, erkennt man seine Schwäche. Der Diplomat ist kein Volkstribun.

Es ist im eigenen Volk noch nicht einmal besonders beliebt. Der wichtigste Vorbehalt der jetzt Aufbegehrenden gegen ihn lautet: Er hat sein Leben in westlichem Luxus verbracht, er hat unsere Leiden nicht geteilt. Vor dem UN-Sicherheitsrat wagte er 2003 dem zum Irak-Krieg drängenden US-Präsidenten Bush zu widersprechen. Damals standen seine Fachleute und besonnene Politiker hinter ihm. Wer steht heute hinter ihm?

Er hat keine Partei. Vielleicht könnte er als Moderator helfen, den Parteienzwist der Opposition zu überwinden.

Die am besten organisierten Kolonnen und auch ein Konzept hat wohl er. Mohamed Badie, Führer der Muslimbruderschaft. Ihre Linie entspricht etwa jener der türkischen regierungspartei AKP – Islam als Staatsreligion, aber kein Gottesstaat.

Die Muslimbrüder haben Erfahrung im politischen Kampf. Über Jahrzehnte hin haben sie Mubarak eine Art Tolerierung abgetrotzt. Dadurch konnten sie sich auch im parlamentarischen Meinungsstreit üben. Vorerst halten sie sich noch zurück, weil ihre Führer sehr wohl wissen: Sie sind das Drohpotenzial der alten Macht. Der Westen stützt Mubarak aus Angst vor ihnen.

Der Anwalt Aiman Nur ist der Gründer der Partei mit dem programmatischen Namen “der Morgen” ( al-Ghad). Er hat bei der Präsidentschaftswahl 2005 gewagt, die Möglichkeiten einer demokratischen Kraftprobe auszuloten. Das brachte ihm vier Jahre Gefängnis ein. Vor gut einem Jahr sagte er, seine Partei sein sozial-liberal ausgerichtet, etwa in Sinne von Blair oder Schröder. Und sie habe ein komplettes Regierungsprogramm von 1.200 Seiten für den Neuanfang parat.

Die Bewegung des Gewerkschaftsführers

Georg Ishak heisst “Kefaya” – zu deutsch: es reicht.

An ihrem Beispiel wird das Problem der ägyptischen Opposition besonders deutlich: Stark in der Mobilisierung der Massen gegen bestehende Zustände. Aber ohne ein Programm für den Tag danach. Das trifft auch für die via “facebook” auf die Straße gerufenen jungen Leute zu.