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Kairo: "Alle paar Minuten werden Verletzte vom Platz getragen"

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Kairo: "Alle paar Minuten werden Verletzte vom Platz getragen"

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Am späten Abend herrschte im Zentrum von Kairo gespannte Ruhe. Die Demonstranten blieben. Auf dem Tahrir-Platz trennten brennende Autos und Reifen die verfeindeten Lager. Unsere Reporterin Moina Fauchier Delavigne berichtet telefonisch von ihren eigenen Eindrücken:

“Auf dem Weg zum Tahrir-Platz wurden wir angesprochen von Leuten, die uns die Opfer der Gewalt zeigen wollten. In einer kleinen Moschee in einer Gasse nebenan wurden Dutzende Verletzte versorgt. Die meisten von ihnen hatten Steine an den Kopf bekommen. Wir haben auch einen jungen Mann mit einer großen Schnittwunde am Bein gesehen. Einer der Ärzte dort hat es uns bestätigt – er hatte mehrere Leute behandelt, die mit Messerstichen verletzt worden waren.

Gleich nach unserem Eintreffen haben wir eine seltsame Szene gesehen: Zwei Verletzte waren versorgt worden und sollten nun der Armee übergeben werden. Denn in Wirklichkeit waren es Leute vom Sicherheitsdienst des Regimes.

Bei den Verletzen hat uns am meisten ihre Entschlossenheit beeindruckt. Alle, die in der Lage waren, zu sprechen, haben uns versichert, dass sie nicht aufgeben werden. Mehrere Leute, die auf dem Boden lagen, machten noch das Siegeszeichen mit der Hand. Die Anspannung war fühlbar.

Auf dem Tahrir-Platz hielt die Gewalt an. Gut fünzig Meter von uns skandierten Mubarak-Anhänger immer noch ihre Parolen. Zwischen ihnen und uns standen drei Sicherheitsreihen von Bürgern. Wir waren eine geschlagene Stunde auf dem Platz, und während der ganzen Zeit wurden alle paar Minuten Verletzte von anderen Demonstranten an uns vorbeigetragen.”