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Schüsse auf dem Al-Tahrir-Platz

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Schüsse auf dem Al-Tahrir-Platz

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Die Lage auf dem Al-Tahrir-Platz hat sich am Donnerstagmittag wieder zugespitzt. Korrespondenten berichten, sie hätten Schüsse gehört. Obwohl die ägyptischen Streitkräfte auf dem Platz eine Pufferzone geschaffen hatten, kommt es seit dem Vormittag erneut zu Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Mubarak. Infanterieeinheiten hatten an der Stelle, an der es am Mittwoch zu den schweren Straßenschlachten gekommen ist, einen etwa 80 Meter breiten Raum zwischen Pro- und Anti-Mubarak-Demonstranten geschaffen. Allerdings bewarfen die Mubarak-Anhänger von der Brücke des 5. Oktober aus die Demonstranten auf dem Platz mit Steinen. Und diese antworten ebenfalls mit Steinwürfen.

Die neue Regierung wies Berichte zurück, sie habe die gestrigen Zusammenstöße organisiert. Ministerpräsident Ahmad Schafik entschuldigte sich für die Ausschreitungen und versprach eine Untersuchung. “Für Angriffe auf friedliche Demonstranten gibt es keine Ausreden, und deswegen entschuldige ich mich dafür”, sagte Schafik dem TV-Sender Al Hayat.

Oppositionsdemonstranten hatten gestern mehreren Personen, die sie auf dem Al Tahrir Platz angegriffen hatten, Dienstausweise der Polizei abgenommen.

Wie die Nachrichtenagentur AP meldet, beginnen die Streitkräfte damit ausländische Journalisten aufzugreifen. Möglicherweise geschehe dies zu “ihrer Sicherheit”. Korrespondenten hatten berichtet, dass Mubarak-Anhänger regelrecht Jagd auf ausländische Journalisten machten.

Das ägyptische Staatsfernsehen meldete Vizepräsident Omar Suleiman habe einen Dialog mit der Opposition begonnen. Nach Angaben von Regierungsgegnern handelt es sich bei diesen Oppositionellen allerdings nur um Vertreter von sechs kleineren Parteien. Die wichtigsten Oppositionsparteien, die die Demonstranten auf dem Al Tahrir Platz unterstützen, machten jedoch für ihre Teilnahme einen Rücktritt Mubaraks zur Vorbedingung.

Auch aus anderen Teilen Ägyptens werden Ausschreitungen gemeldet. Das große Einkaufszentrum am Rand der zweitgrößten Stadt Ägyptens, Alexandria wurde Berichten zufolge niedergebrannt.

In El Arisch auf der Halbinsel Sinai demonstrierten mehrere hundert Regierungsgegner. In der Nacht zum Donnerstag war es in mehreren Städten auf dem Sinai zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung Mubarak gekommen. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Die Schiffahrt durch den Suezekanal funktioniere allerdings völlig normal, teilte die ägyptische Regierung mit.

Bei der Schlacht um den Al-Tahrir-Platz sollen nach Angaben des ägyptischen Fernsehens fünf Menschen ums Leben gekommen sein; über 800 Verletzte seien in Krankenhäuser eingewiesen worden. Gegen 4 Uhr Ortszeit waren für über eine Stunde Gewehrsalven und vereinzelte Schüsse schwerer Waffen zu hören. Nach Angaben von Oppositionellen, die die Nacht auf dem Platz ausharrten, wurden sie von drei Positionen aus der Ferne beschossen.