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Gegen Befehle: "Armee-Schutz auf Demonstranten ausgeweitet"

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Gegen Befehle: "Armee-Schutz auf Demonstranten ausgeweitet"

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Safwat Ezzayyat ist General im Ruhestand, General der ägyptischen Armee und Strategie-Spezialist.

Riad Muasses, euronews:

“General Safwat Ezzayyat, alle Welt stellt sich heute eine einzige Frage – was hat die ägyptische Armee vor ?”

General Safwat Ezzayyat:

“Ich möchte Sie daran erinnern, dass die Armee bereits etwas tut: Sie hat am 28. Januar eingegriffen, als sich zeigte, dass die Polizei-Spezialkräfte des Innenministeriums gegen gewalttätige Ausschreitungen – man nennt sie auch die zentralen Regierungseinheiten für Innere Sicherheit – mit der Lage nicht mehr fertig wurden.

Das Regime mußte erkennen, dass diese Kräfte schwere Verluste erlitten haben und auch selbst schwere Verluste angerichtet haben, an Menschenleben und Verletzten. In der Bevölkerung hat das übrigens die Entschlossenheit zum Protest noch bekräftigt. So wurde dem Regime klar, dass man diesen Kräften nicht mehr zutrauen kann, die aktuelle Lage in den Griff zu kriegen.

Also gab es Anweisungen an die ägyptische Armee, in der Mitte der großen Städte einzugreifen, um öffentliches und privates Eigentum zu schützen … “

euronews:

“General, muss man das so verstehen, dass die Armee Eigentum geschützt hat, aber die Bürger nicht …?”

General Safwat Ezzayyat:

“Immerhin hat die Armee in der folgenden Zeit ihren Schutz auch auf die Demonstranten ausgeweitet. Dabei sollte sie laut Anweisung des Regimes gegen die Demonstrationen einschreiten.”

euronews:

“General, wie erklären Sie sich dann die Position der Armee, die die Angriffe auf Demonstranten mit Maultieren, Kamelen, Pferden und Schwertern nur beobachtete, trotz der Verluste an Menschenleben ?”

General Safwat Ezzayyat:

“Lassen sie mich Ihnen versichern, die Armee gewährleistet die Sicherheit der Demonstranten seit ihrem ersten Eingreifen am 28. Januar. Zu der Zeit wurde das berühmte Communique veröffentlicht, in dem sie Verständnis äußert für die

Forderungen des ägyptischen Volkes und zusagt, nicht gegen das großartige ägyptische Volk vorzugehen. Ich halte dieses Communique für ein historisches Ereignis, weil die Armee einen gewissen Abstand zum Regime erkennen lässt, was die Anwendung von Gewalt gegen Demonstranten angeht.”

euronews:

“Eine letzte Frage: Wir wissen, dass der US-Verteidigungsminister Kontakt aufgenommen hat mit seinem ägyptischen Amtskollegen. Gibt es irgendwelche Anzeichen dafür, dass Washington die Armee aufgefordert hat, einzugreifen ?”

General Safwat Ezzayyat:

“Ich glaube nicht, dass Präsident Obama am Tag, an dem sein Verteidigungsminister seinen ägyptischen Amtskollegen kontaktiert hat….. im Endeeffekt hat Obama eine Rede gehalten, die meiner Meinung nach wichtiger war als seine “Rede an der Universität von Kairo” im Jahr 2009. Vor diesem Hintergrund muss man die Kommunikation zwischen den beiden Verteidigungsministern sehen. ‘Sie sind unsere Verbündeten. Auf unsere Militärhilfe können Sie sich verlassen, um Ihre Armee zu modernisieren.’ Präsident Obama hat deutlich gemacht, dass das Recht auf Protest zu respektieren ist und der Schutz der Demonstranten zu gewährleisten. Das erzeugte weiteren Druck auf die ägyptische Armee, ihre Neutralität zu wahren.”