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Die Zeltstadt auf dem Platz Tahrir

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Die Zeltstadt auf dem Platz Tahrir

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Mehrere tausend Menschen sind es, die auf dem Tahrir-Platz, dem “Platz der Befreiung”, im Zentrum Kairos ausharren. Viele haben ihre Zelte hier aufgeschlagen, sie wollen bleiben, bis Präsident Hosni Mubarak die Macht abgibt.

Es ist eine Art Alltag eingekehrt, die Menschen beten zusammen, sie kochen, sie essen gemeinsam, sie geben sich Mut. Viele sind sogar aus den Provinzen angereist, um beim Geschichtemachen dabei zu sein. “Die Menschen haben ein neues Leben auf dem Platz hier begonnen”, sagt euronews-Korrespondent Mohamed Elhamy, “und sie bestehen darauf, dieses Leben fortzusetzen, sollte das Regime an der Macht bleiben.” Es ist relativ ruhig geworden, seit in der vergangenen Woche Mubaraks Anhänger in die Menge geschossen haben. Sogar Kinder spielen auf dem Platz. Ein Demonstrant: “Ich bin hergekommen, um zu bleiben.

Es reicht, wir haben genug von dieser Situation. Ich habe vier Kinder, und mein Mann hat keine Arbeit. Kein Gehalt.” Doch unter Kontrolle ist die Lage längst noch nicht. Sie kann sich ändern, jederzeit. “Wir schlafen nicht gut, weil wir immer einen Angriff der Mubarak-Anhänger befürchten”, sagt einer, der jetzt hier lebt. “Dann wachen wir auf und prüfen, ob es einen Angriff gab. Und wir versuchen, die Panzer fern zu halten. Wir überwachen die Zugänge zum Tahrir-Platz.” Was so lange verboten war, das geht jetzt hier: Die Menschen tauschen Meinungen aus, ganz offen, auf dem Befreiungsplatz. Mustafa Kamel hat ein neues Buch geschrieben. “Ich bin Journalist”, sagt er. “Ich habe ein Buch geschrieben: ‘Der letzte Ausgang’.

Und ein zweites über Mubarak: ‘Ich liebe dich – aus der Ferne’. Es ist ein Buch, das die Jugendrevolte vorhergesehen hat.” Manchmal sind hier noch Schüsse zu hören, die Ruhe ist trügerisch. Sicher ist für die Menschen offenbar nur Eines. Wir bleiben, bis Mubarak geht.