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Mubarak fallenlassen? - ein US-Eiertanz


Ägypten

Mubarak fallenlassen? - ein US-Eiertanz

Die USA sind von den Demonstrationen in Ägypten überrascht worden, wie alle anderen auch – und selbst zwei Wochen nach ihrem Beginn gibt es in Washington kaum eine klare Linie. Kein Botschafter, kein Informant und kein Geheimdienst hatte vorrausgesehen, dass die Ägypter so schnell, so massiv und so ausdauernd das Ende des brutalen Regimes von Präsident Mubarak fordern würden.

Erst am 2. Februar, nach einer langen Woche des Aufruhrs, fand Präsident Obama klare Worte: “Es ist völlig klar, und das habe ich Präsident Mubarak heute auch gesagt: ein organisierter Übergang muss zu wirklichen Veränderungen führen und er muss jetzt beginnen.”

Eine unmissverständliche Einladung an Mubarak, die Bühne frei zu machen. Der aber geht nicht und schiebt statt dessen seinen neu-ernannten Stellvertreter ins Rampenlicht: Omar Suleiman, ehemaliger Geheimdienstchef mit guten Kontakten zur CIA. Dieser spielt seine Rolle gut, verhandelt mit der Opposition, gewinnt Zeit und macht klar: Vorerst bleibt die Regie in den Händen Mubaraks.

Zähneknirschend winkt Obama ab und muss eingestehen, dass er vorläufig kaum eine Rolle spielt: “Ägypten muss seinen Weg selber aushandeln – und das Land macht Fortschritte!”

Vielen Ägypter wohnen dem Spektakel fassungslos bei: Vizepräsident Suleiman verhandelt hier, verhandelt dort, macht Zugeständnisse tröpfchenweise und die USA, die das Regime Mubaraks wegen seines soliden Friedens mit Israel über Jahrzehnte mit Milliardenhilfen – vor allem an die Armee – gestützt haben, können sich zu keiner klaren Haltung durchringen.

Kaum verwunderlich: Mubaraks Ägypten war Amerikas Hauptstützpfeiler in der arabischen Welt. Als Obama 2009 seine große Rede an die muslimische Welt hielt, tat er das ganz natürlich in Kairo – bei Freund Husni.

Ein kaum zu überwindendes Dilemma: den Verbündeten weiter zu unterstützen ist ein Verrat am amerikanischen Ideal der Demokratie – ihn komplett fallen zu lassen ist undenkbar, das gesteht selbst die US-Opposition ein – so George W. Bushs früherer Vize Dick Cheney: “Es gibt gute Gründe, dass viel Verhandlungen hinter den Kulissen stattfinden: Präsident Mubarak muss schließlich behandelt werden, wie er es verdient hat: als ein langjähriger guter Freund!”

Vor allem die israelische Presse zieht schon Schlüsse aus dem amerikanischen Dilemma: Die linksliberale Haaretz kommentiert: Obama werde als der US-Präsident, der Ägypten “verloren” habe, in die Geschichtsbücher eingehen. Wenn die ägyptische Opposition an die Macht komme, würde sie sich des amerikanischen Schlingerkurses erinnern – und andere Verbündete in der Region wüssten nun, dass auf Washington kaum Verlass sei.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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