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Frankreich's Regierung: blamable Ferien bei Diktatoren

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Frankreich's Regierung: blamable Ferien bei Diktatoren

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Urlaub südlich des Mittelmeers – das zieht in Frankreich viele an, nicht zuletzt Regierungsmitglieder. Doch nun, nachdem Tunesien und Ägypten von Revolutionen erschüttert wurden, wird die Grande Nation die Skandale und Skandälchen um die Freizeitgestaltung ihrer Minister nicht mehr los.

Präsident Sarkozy hatte jahrlang für einen engeren Zusammenschluß der Europäischen Union mit den anderen Mittelmeeranrainern gekämpft. Eine “Union für das Mittelmeer” sollte ihr an die Seite gestellt werden.

Peinlich nur, dass zum Beispiel Regierungschef François Fillon die Sache auch persönlich interpretierte und – so das Enthüllungsblatt ‘Canard enchaîné’ jetzt – seine Sylvesterferien in Ägypten verbrachte.

Dabei flog er auf Einladung und Kosten von Präsident Mubarak mit einem ägyptischen Regierungsjet von Assuan ins 200 Kilometer entfernte Abu Simbel. Eine freundschaftliche Beziehung die heute ein wenig außer Mode geraten ist – zumal Fillon auch auf Ägyptens Kosten logierte und einen Ausflug auf dem Nil unternahm.

Dumm auch, dass die Schlagzeilen in Frankreich gerade mit Außenministerin Michele Alliot-Marie beschäftigt waren, die über Weihnachten und Sylvester in Tunesien weilte und dort im Privatjet eines “Freundes” herumflog – als Tausende schon nach der Selbstverbrennung eines jungen Gemüsehändlers gegen gegen das korrupte Regime von Präsident Ben Ali demonstrierten.

Eigentlich wollte sich Präsident Sarkozy in diesem Frühjahr mit medienwirksamen Akzenten gerade in der Außenpolitik aus dem Umfrageloch herausarbeiten – doch schon erinnert die Opposition ihn an die markigen Worte seiner Rede, am Wahlabend seines Sieges im Mai 2007: “Ich will, dass überall auf der Welt die Unterdückten, die misshandelten Frauen, die eingesperrten – oder zur Schindearbeit verdammten – Kinder wissen, dass es ein Land gibt, dass an ihrer Seite steht und großzügig mit ihnen sein wird: Frankreich!”

Doch viele fragen sich nun auf wessen Seite seine Regierung steht: auf der der Unterdrückten – oder auf der der Unterdrücker? Zumindest zog der Präsident jetzt die Notbremse: seine Minister sollen in Zukunft vorzugsweise ihre Ferien in Frankreich verbringen.