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Richterstreik in Frankreich

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Richterstreik in Frankreich

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In Frankreich sind landesweit die Richter in den Streik getreten. Sie protestieren gegen Vorwürfe von Präsident Nicolas Sarkozy, dass sie mitverantwortlich für den Tod einer 18-Jährigen sein sollen. Polizeitaucher hatten in der vergangenen Woche die zerstückelte Leiche der jungen Frau gefunden. Der wegen Vergewaltigung vorbestrafte mutmaßliche Mörder war zuvor von einem Gericht in Nantes auf Bewährung freigelassen worden, obwohl kein Bewährungshelfer zur Verfügung stand. “Wir können nicht vernünftig arbeiten”, sagt Staatsanwältin Sylvie Pons, “wir haben nicht genügend Richter, nicht genügend Angestellte, nicht genügend Bewährungshelfer. Es fehlt uns an allem, wir arbeiten von Tag zu Tag. Es überrascht mich, dass wir nicht noch größere Probleme haben.” Der in einem Umfragetief steckende Sarkozy hatte erneut harte Töne gegenüber der Justiz angeschlagen und in dem Mordfall von einem “Justizfehler” gesprochen und damit gedroht, dass – so wörtlich – “diejenigen, die diesen Fehler gedeckt oder zugelassen haben, bestraft werden”. In Frankreich sollen derzeit rund 170.000 entlassene Straftäter betreut werden. Dafür stehen aber nur 3000 Bewährungshelfer zur Verfügung.