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Flüchtlingslager auf Lampedusa wieder offen


Italien

Flüchtlingslager auf Lampedusa wieder offen

Sie wagen auf solch kleinen Booten die Fahrt über das Mittelmeer auf der Suche nach einem besseren Leben. Und das erhoffen sich die arbeitslosen Tunesier in der Europäischen Union. Mehr als 5.000 landeten in der vergangenen Woche auf der italienischen Insel Lampedusa.

Denn dies ist die kürzeste Route. Von Djerba, wo EU-Bürger billig Urlaub machen, sind es nur etwas mehr als 130 km bis zu diesem Vorposten der EU.

Sie wollen nicht warten, bis eventuell irgendwann auf den politischen Umsturz in Tunesien auch bessere Lebensbedingungen folgen. Vor der Überfahrt in wenig seetüchtigen Booten haben sie weniger Angst als vor der Hoffnungslosigkeit daheim, sagt dieser junge Tunesier in sehr gutem Französisch. Er war von Djerba 24 Stunden unterwegs. Bezahlt hat er dafür umgerechnet 1.500 Euros.

Am Samstag musste auf Lampedusa der humanitäre Notstand ausgerufen werden nach der Ankunft von mehr als 2.000 Tunesiern, zumeist jungen Männern.

Dieser junge Tunesier erklärt auf Italienisch, sie kommen, weil sich nach der Revolution vom 14. Januar noch nichts geändert hat und sie fürchten, es werde sich auch nichts ändern. “Wir kommen nicht betteln”, betont er, “ wir bitten in Europa nur um eine Möglichkeit zu arbeiten.”

Die Berlusconi-Regierung hatte in bilateralen Abkommen mit Libyen und Tunesien erreicht, dass die Menschen dort an der Ausreise gehindert werden. Ähnlich wie die DDR-Bürger bis 1989.

So wurden die Flüchtlingszahlen gesenkt.

Und jene, die es trotzdem schafften, wurden ohne Einzelfallprüfung zurückgeschickt.

Mario Marazziti von der Hilfsorganisation

“ Sant´Egidio” schlägt vor, in so einer internationalen Krise sollten die Europäer dringend am runden Tisch entscheiden, wie sie Italien helfen können, diese Last zu tragen.

Marazziti erinnert an die früher 90er Jahre, als nach dem Ende des Kommunismus in Albanien Italien schon einmal eine derartige Flüchtlingswelle erlebte.

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