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Ayman Nour im euronews-Gespräch: Kandidiere bei Präsidentenwahl


Ägypten

Ayman Nour im euronews-Gespräch: Kandidiere bei Präsidentenwahl

Die Proteste der Opposition auf Kairos Tahrir-Platz sind abgeebt. Die Reformisten haben sich daran gemacht, das Ägypten von Morgen vorzubereiten. Welchen Weg wird das Land einschlagen?

Die Armee, die derzeit die Macht inne hat, hat einer Kommission von Rechtsexperten zehn Tage lang Zeit gegeben, um die Verfassung zu ändern. In etwa einem halben Jahr soll es Parlaments- und Präsidentschaftswahlen geben. Zum ersten Mal in der Geschichte Ägyptens rechnen Beobachter der Opposition echte Chancen aus, an der Macht beteiligt zu werden.

Über den schwierigen Übergang zur Demokratie sprach euronews in Ägypten mit dem führenden Oppositionspolitiker Ayman Nour, der die Partei al-Ghad führt.

Mohammed Abdel Aziz, euronews: Was schätzen Sie: In welchem Land befinden sich jetzt die Gelder, die einige ägyptische Politiker veruntreut haben?

Ayman Nour, Vorsitzender der ägyptischen Partei al-Ghad: Ich bitte meine Revolutionsgenossen und unsere Brüder bei der ägyptischen Armee, eine gemischte Kommission zu bilden, die aus Technokraten, unter ihnen Richter und Ermittler, besteht. Die Kommission muss von Vertretern der Revolution und von Kräften des Militärs kontrolliert werden. Sie ist der Garant für all das, was derzeit in Ägypten passiert. Die Kommission muss fachspezifisch, aber darf nicht politisch sein. Sie muss alle Informationen und Zahlen einer Prüfung unterziehen, um zu sehen, inwiefern sie wahr sind. Falls das der Fall ist, müssen wir die Akte an den Staatsanwalt der Republik weiterreichen, der sie seinerseits an den zuständigen Richter weitergibt.

euronews: Ist es möglich, dass der Mubarak-Familie in Zukunft international oder in Ägypten der Prozess gemacht wird?

Ayman Nour: Das ist möglich, sofern sich herausstellt, dass sie Verbrechen begangen haben, die vor dem Gesetz geahndet und sie dann verurteilt werden müssen. Ich bin der erste, der sich einen fairen Prozess für sie wünscht.

euronews: Innenpolitisch: Was denken Sie von den Muslimbrüdern auf politischer Ebene?

Ayman Nour: Die Muslimbruderschaft sind eine wichtige Bewegung, ihre Gegenwart ist nicht zu leugnen und sie hat Einfluss im Land. Aber sie ist weniger wichtig, als das Mubarak-Regime es glauben machen wollte, um einen Vorwand zu haben. Es brauchte eine Art Buhmann gegenüber unseren koptischen Brüdern innerhalb von Ägypten und allgemeiner außerhalb des Landes gegenüber dem Westen. Diese Tendenz gibt es, wir müssen sie respektieren. Von einem liberalen Standpunkt aus gesehen – ich bin selbst liberal: Ich glaube, dass jeder andere ein Anrecht auf Leben hat. Also müssen wir die Muslimbrüder respektieren. Meiner Meinung nach gibt es keine Bewegung, nicht die der Liberalen, nicht die der Linken, nicht jene der Muslimbrüderschaft, die sich damit brüsten könnte, Ägypten allein zu regieren.

euronews: Welche Rolle wird die Armee möglicherweise in den kommenden Wochen und Monaten spielen?

Ayman Nour: Die Armee ist ein Garant dafür, dass die Forderungen der ägyptischen Revolution und die Ziele, auf die wir uns geeinigt haben, umgesetzt werden. Ich hoffe, sie werden diese Mission erfolgreich bewältigen und uns die Hand zum Dialog reichen. Einen Dialog mit Mubarak oder Omar Suleiman haben wir abgelehnt, als Mubarak noch an der Spitze Ägyptens stand. Nun sind wir bereit, mit der Armee zu sprechen, und ich bekräftige meinen Wunsch in diesem Interview, dass wir bereit für einen ernsthaften Dialog auf gleicher Augenhöhe sind, für einen Dialog, dessen Ziel dem Interesse Ägyptens dient.

euronews: Wird Ayman Nour unter den Kandidaten für die Präsidentenwahl in Ägypten sein?

Ayman Nour: Ich denke schon. Es gibt eine Entscheidung vom 14. Februar 2010, die von meiner Al Ghad Partei ausgeht, die meine Kandidatur für die nächsten Präsidentenwahl bekannt gibt. Vor den aktuellen Ereignissen und gemäß der Verfassung mit den Garantien, wenn diese denn nur ein kleines bisschen befolgt werden, werden wir an der Wahl teilnehmen und ein gutes Ergebnis erzielen. Was die letzte Wahl betrifft, so waren die Ergebnisse alle gefälscht.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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