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"Es gibt es keinen, der den Aufstand steuert"

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"Es gibt es keinen, der den Aufstand steuert"

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“Tag des Zorns” in Libyen – im ganzen Land gehen Menschen gegen die Regierung von Muammar Gadafi auf die Strasse. Stecken ethnische Konflikte dahinter oder politische Kräfte und wenn ja, welche ?

Hadi Shelluf ist Mitglied des

Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag und bearbeitete dort 2006/2007 die Darfur Krise.

Der Exil-Libyer hat eine Partei gegründet – “für Rechtsstaat und Demokratie”.

Sami Fradi, euronews (Lyon):

“Doctor Hadi Shelluf, was geschieht im Moment in Libyen ?”

Hadi Shelluf (Paris):

“Es gibt einen Volksaufstand, der sich über ganz Libyen ausbreitet, vor allem im Osten, Westen und Süden. Es ist ein großer Volksaufstand. Und in allen Regionen des Landes gibt es eine allgemeine Ablehnung des Regimes von Muammar Gaddafi und die Forderung, Gaddafi solle von der Macht lassen.”

euronews:

“Werden die Demonstrationen von irgend jemandem organisiert – innerhalb oder außerhalb des Landes ?”

Shelluf:

“Ganz sicher gibt es keinen, der den Aufstand von innen oder außen steuert. Es ist ein Volksaufstand, der sich in der Jugend speist und im libyschen Volk. Es entdeckt nach 42 Jahren, dass die Regierung nicht nur eine Diktatur ist, sondern auch ein Regime, das den Reichtum des Landes verpulvert. Manche verlangen, die Verantwortlichen des Regimes vor Gericht zu bringen, für ihre Verbrechen und um das Vermögen zurückzubringen, das gestohlen wurde.”

euronews:

“Ist das ein ethnischer Konflikt zwischen Stämmen, die sich in die Pro- und Kontra-Lager einordnen lassen ?”

Shelluf:

“Er ist kein Konflikt zwischen Stämmen oder Clans. Es gibt einen Volksaufstand und eine Revolution, nicht eine Rebellion. Ziele sind ein Rechtsstaat und demokratische Institutionen. Wir fordern die Bildung einer Übergangsregierung, sobald diese Regierung weg ist. Dann sollte ein Ausschuss gebildet werden, der eine Verfassung entwirft. Am Ende geht das Land über von einer chaotischen Situation zu einem Rechtsstaat und seinen demokratischen Institutionen.”

euronews:

“Was wird aus den aktuellen Protesten ?”

Shelluf:

“Diese Proteste gehen weiter, bis die Machthaber in Libyen fallen und alle Komplizen des libyschen Regimes verhaftet sind. Wir fordern, dass sie nach Recht und Gesetz beurteilt werden. Wir bitten die Europäische Union und die Vereinigten Staaten, Gadafi zum Gehen zu drängen. Wir wollen eine Verfassung und Wahlen, die von der internationalen Gemeinschaft überwacht werden.”