Eilmeldung

Eilmeldung

Die arabische Revolution

Sie lesen gerade:

Die arabische Revolution

Schriftgrösse Aa Aa

Über Jahrzehnte hin galten die meisten arabischen Staaten als ruhig. Im Westen störte man sich nicht besonders an dort herrschenden undemokratischen Verhältnissen. Dann verbrannte sich im Dezember ein junger Tunesier aus Verzweiflung über soziale Not und Behördenwillkür. Die Flammen, die ihn töteten, begannen quer durch die arabische Welt als Aufruhr zu lodern.

Vom Magreb bis zum Persischen Golf haben Entschlossenheit und Erfolg der Demonstranten in einem Land den Unzufriedenen im nächsten Land Mut gemacht.

Es begann in Tunesien, das Zine el-Abidine Ben Ali seit 23 Jahren regierte. Von den 10 Millionen Einwohnern sind 42 % jünger als 25.

Die offizielle Arbeitslosenrate wird mit 13,3% angegeben.

Am 14. Januar hatten die Demonstranten nach weniger als einem Monat Ben Ali in die Flucht geschlagen. Wichtig dabei: Die Armee weigerte sich, auf Regierungsgegner zu schießen. Eine Frau rief den reportern zu: “Ich habe eine Botschaft an alle Menschen der Welt: fürchtete euch nicht vor den Diktatoren”.

In Ägypten regierte Präsident Mubarak seit mehr als 29 Jahren. Im mit 85 Millionen bevölkerungsreichsten Land der arabischen Welt sind mehr als die Hälfte der Bürger unter 25 – die offizielle Arbeitslosenrate wird mit

9 % angegeben.

Hier genügten 18 Protesttage auf dem nunmehr weltbekannten Tahrir-Platz: Dann trat Präsident Mubarak ab. Auch hier ging die Armee nicht gegen Regime-Gegner vor. Am 11. Februar feierten Bürger mit ihren Soldaten den Sieg.

Algerien hat 35 Millionen Einwohner, die Hälfte davon Jugendliche und offiziell 10,3 % Arbeitslose.

Nach dem Sieg der Ägypter wagten sich auch die Algerier auf die Straße. Obwohl die Angst noch groß ist vor dem brutalen Durchgreifen der Sicherheitskräfte. Dass Präsident Bouteflika zurücktreten soll, wagt nur eine kleine Gruppe öffentlich zu fordern. Vor allem wollen die Demonstranten: “…ein freies, ein demokratisches Algerien …”

Inzwischen finden die Rufe nach Demokratie selbst in Libyen ein Echo. Hier herrscht seit 1969 Oberst Gaddafi über 6,5 Millionen Einwohner. Auch hier ist die Hälfte der Bürger unter 25, Angaben über Arbeitslose gibt es nicht.

Auch strikte Kontrolle der Medien im Land konnte nicht verhindern, dass junge Leute über Internet diese Bilder erster Demonstrationen aus der Stadt Benghazi verbreiteten.

Jordanien wird seit 1999 von König Abdullah II. regiert, der die Macht von seinem Vater Hussein übernahm. 6,5 Millionen Einwohner, mehr als die Hälfte davon unter 25. Offiziell 12,3% Arbeitslose.

Jordanien gilt in der arabischen Welt als der arme Vetter der reichen Golfstaaten. Das Leben ist teuer, die soziale Not groß – aber auch hier erschallt der Ruf nach Reformen.

Im Jemen regiert Ali Abdallah Saleh seit der Unabhängigkeit 1978, 24,4 Millionen Einwohner,

65 % davon unter 25. Zur Arbeitslosigkeit keine Angaben. Dafür aber diese Bilder von Demonstrationen, bei denen der Sturz des Langzeitherrschers verlangt wird. Der hat nun versprochen, zur Präsidentenwahl 2013 nicht mehr anzutreten.

Bahrein, die Golfinsel, ist kleiner als Hamburg.

Ein sunnitischer König herrscht seit 1999 über gut eine halbe Million Bürger, von denen zwei Drittel dem schiitischen Islam anhängen. Auch hier ist die Einwohnerschaft jung. Ermutigt von Tunesiern und Ägyptern wagen auch auf dem Perlenplatz der Hauptstadt Manama Untertanen ihre Rechte einzufordern.

Selbst im mit harter Hand von der obersten Geistlichkeit regierten Iran hat das Feuer des Aufruhrs gezündet. Präsident Ahmedinejad ist seit 2005 im Amt. 75 Millionen Einwohner, 65 % jünger als 25, Arbeitslosigkeit 14,3%,

Erstmals seit dem Wiederstand gegen Wahlfälschung vor zwei Jahren haben auch hier Menschen für Demokratie zu demonstrieren gewagt.