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Gibt es einen Dominoeffekt des Aufruhrs in der arabischen Welt?

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Gibt es einen Dominoeffekt des Aufruhrs in der arabischen Welt?

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Interview mit Nabil Al Khatib, Chefredakteur des Senders “Al Arabiya” in Dubai,

euronews

Wir sehen heute die großen Demonstrationen in Kairo, die Toten in Libyen, im Jemen und in Bahrain. Gibt es eine Art “revolutionäre Ansteckung”, sind die Erscheinungen vergleichbar?

Nabil Al Khatib. Al-Arabiya

Ich glaube nicht, dass die Situationen in der arabischen Welt vergleichbar sind. Der gemeinsame Nenner bezieht sich auf Korruption, politische Blockade und fehlende Zukunftschancen der Jugend.

Diese Faktoren haben alle Länder gemeinsam. Das sind die Gründe, weshalb die Bevölkerung Veränderungen verlangt.

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Gilt das auch für das kleine Königreich Bahrain?

Nabil Al Khatib, Al-Arabiya

Bei Bahrain gibt es eine Besonderheit. Da die Demonstranten überwiegend einer Richtung des Islam angehören, kann man davon ausgehen, dass auch konfessionelle Gründe eine Rolle spielen.

Und das ist dann aber wieder Wasser auf die Mühlen der Machthaber, um die Glaubensfrage zu verschärfen, weil die meisten Demonstranten Schiiten sind. Die Sunniten halten sich abseits, aus Furcht, hier in eine iranische Manipulation verwickelt zu werden.

Unabhängig davon, ob das stimmt oder ob nur der Eindruck entsteht – sie Sunniten glauben das.

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Glauben Sie, dass sich der Aufruhr auch auf anderen Golfstaaten ausbreiten kann, etwa auf Saudi Arabien, Kuweit oder Oman?

Nabil Al Khatib. Al-Arabiya

Meiner Meinung nach ist diese Frage für all die genannten Länder offen. Aber die Krise hat in den Ländern am Golf andere Erscheinungsformen.

Die Bürger dort führen ein angenehmeres Leben als jene in anderen arabischen Ländern. Dies sind die Erdölproduzenten, die Reichen. Das bedeutet aber nicht, dass sie von solchen Bewegungen verschont bleiben.

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Die USA haben ihre Besorgenis ausgedrückt angesichts der Ereignisse in Bahrain. Meinen Sie, die USA könnten ihre Interessen in der Golfregion bedroht sehen durch die Ereignisse in Bahrain?

Nabil Al Khatib. Al-Arabiya

Ich neige zu der Annahme, dass die amerikanische Position mehrere Aspekte hat. Wir alle dachten, dass die USA die Regimes in Tunesien und Ägypten verteidigen würde. Weil überwiegend der Eindruck bestand, die USA würden immer ihre Verbündeten in der Region verteidigen, um den status quo zu bewahren.

Aber die amerikanische Position hat sich vollkommen geändert im Verhältnis zu der Zeit, als sie ihre tunesischen Verbündeten wegen des Anti-Terror-Kampfes verteidigen mussten, und ihre ägyptischen Verbündeten wegen der Stabilität in der Region und wegen der Beziehungen zu Israel.

Am Ende haben die USA den Wandel in diesen Ländern unterstützt. Die Frage ist, wie weit sie gehen können bei der Unterstützung von Veränderungen in der Golfregion, wo die Lage wesentlich sensibler ist, denn dort spielen Terrorismus und Erdöl eine Rolle und die Beziehungen zum Iran.

Aber von hieraus gesehen haben wir den Eindruck, dass die amerikanischen Position zögerlich ist, dass es ihr an Klarheit mangelt, dass sie oberflächlich sein könnte und nicht eben sicher, ob die getroffenen Entscheidungen auch die richtigen sind.

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Nabil Al-Khatib, Chefredakteur des Fernsehsenders Al Arabiya in Dubei, vielen Dank