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Eskalation in Tripolis: 60 Tote seit Sonntag

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Eskalation in Tripolis: 60 Tote seit Sonntag

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In Libyen bleibt die Lage unübersichtlich, die Proteste blutig. Zwar gelang es der Opposition offenbar gestern, die Kontrolle über die Hafenstadt Bengasi zu übernehmen. Doch in der Hauptstadt Tripolis eskaliert die Lage. Allein am Sonntag und in der Nacht kamen dort mehr als 60 Menschen ums Leben. Menschenrechtler rechnen mit mehr als 300 Toten in den vergangenen Tagen.
  
Im Staatsfernsehen versprach Saif al Islam Gaddafi, der Kandidat für die Nachfolge seines seit mehr als 40 Jahren autoritär regierenden Vaters Muammar al-Gaddafi, schnelle Reformen. Er warnte aber auch vor einem Bürgerkrieg. Libyen sei geprägt von Stämmen und Clans, es gebe keine Zivilgesellschaft, keine Parteien. 
 
Gaddafi soll ausländische Söldner angeheuert haben, die seine Macht verteidigen sollen. Unabhängige Bilder und Informationen gibt es kaum. in Tripolis steckten Oppositionsanhänger Gebäude in Brand, darunter auch das Parlament.
 
Inzwischen sollen sich Vertreter mehrerer Stämme, aber auch Soldaten den Demonstranten angeschlossen haben. Ein mächtige Stammesführer hat damit gedroht, die Ölexporte abzudrehen, sollte die Gewalt gegen Demonstranten nicht aufhören.
  
Wegen der Unruhen ziehen Siemens und die BASF-Tochter Wintershall Mitarbeiter und deren Angehörige aus Libyen ab. Die Regierung in Österreich hat ein Militärflugzeug entsandt, das Bürger ausfliegen soll.