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Flucht aus Bengasi - "mein Arbeitsplatz existiert nicht mehr"

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Flucht aus Bengasi - "mein Arbeitsplatz existiert nicht mehr"

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Versteinerte, angespannte Gesichter, manche weinen – 300 türkische Staatsbürger haben es in der libyschen Stadt Bengasi zum Flughafen geschafft. Hier waren bei der blutigsten Gegenreaktion auf die Proteste in der arabischen Welt mehr als 233 Menschen umgekommen.

Die meisten Fluggäste arbeiteten in der Bauwirtschaft und viele mußten zusehen, wie Kollegen mit Gewalt vom Arbeitsplatz vertrieben und dabei verletzt wurden.

Libysche Sicherheitskräfte haben laut Medienberichten Dutzende Ausländer – auch Türken – bei Razzien festgenommen, sie werden als „ausländische Verschwörer“ verdächtigt.

Fluggast Dilek Angin:

“Ich denke, Sie wissen mehr oder weniger bescheid, was wir durchgemacht haben. Diese Erfahrungen in Libyen kann man nicht wiedergeben, die kann man nur erleben.”

Ein anderer Passagier erzählt: “Mein Arbeitsplatz existiert nicht mehr. Es war eine türkisch-arabische Firma. Gott sei Dank ist den Mitarbeitern nichts passiert. “

Zwei Schiffe aus Istanbul sollen in den nächsten Tagen rund 3000 türkische Staatsbürger abholen.

Auch die EU zieht in Betracht, EU-Bürger aus Libyen zurückzuholen, vor allem aus der Stadt Benghasi -so die spanische Aussenministerin Trinidad Jiménez. Spanien koordiniert eine mögliche Evakuierung.

Etwa 500 Deutsche und 750 Franzosen leben in dem nordafrikanischen Land.

Eine förmliche Reisewarnung für ganz Libyen gibt es zwar noch nicht, das Auswärtige Amt warnt aber vor Reisen in den Osten des Landes. Allen Deutschen in Libyen wird die Ausreise empfohlen.

Der britische Ölkonzern BP stellt wegen der Unruhen seine Vorbereitungsarbeiten für die Gas- und Ölproduktion im Westen des Landes ein.