Eilmeldung

Eilmeldung

Was ist anders in Gaddafis Libyen?

Sie lesen gerade:

Was ist anders in Gaddafis Libyen?

Schriftgrösse Aa Aa

Der oberste Machthaber wagt sich in die Menge, die gegen seine Politik protestiert. Das gab es weder in Tunesien noch in Ägypten oder Bahrain. Woran man sieht – Libyen ist anders. Oberst Muammar al-Gaddafi, der Führer der Revolution, hat in 41 Jahren Herrschaft die Entwicklung einer Zivilgesellschaft verhindert. Während in den beiden Nachbarländern die Staatschefs Ben Ali und Mubarak zumindest den Anschein demokratischer Wahlen zu erwecken suchten, hat sich Gaddafi in seinem politischen Alleingang mit solchen “westlichen Geflogenheiten” nie abgegeben.

Der Sprecher von “Human Rights Watch”,Tom Portreous, verweist darauf, dass in Tunesien, Ägypten und nun auch Bahrain die Machthaber sehr bald mit den portestierenden Landsleuten zu sprechen begannen. Gaddafis Geste bewertet er anders. Der Menschrechtsaktivist sieht in Libyen keinerlei Anzeichen für eine Eingehen auf Forderungen – statt dessen extrem hartes Durchgreifen.

Vor allem in Bengasi. Die Stadt weit im im Osten des Landes ist so etwas wie das Zentrum der kritischen Geister. Wann immer in 41 Jahren Gaddafi-Herrschaft in seinem Riesenland kritische Töne zu hören waren – kamen sie aus dieser Stadt.

Nie aus der Hauptstadt Tripolis. Die ist Herrschaftszentrum und damit auch das Zentrum der besonders Systemtreuen. Hier pflegt das Regime Gaddafi seine Macht zu zelebrieren.

Sicher gibt es auch in Libyen einen Unterschied zwischen der Armee und den besonders auf Treue zum Revolutionsführer eingeschworenen Einheiten.

Was Libyen noch von seinen Nachbarn unterscheidet, ist der enorme Ölreichtum.

Der sorgt für 90% der Staatseinnahmen und ermöglicht Sozialleistungen wie kostenlose medizinische Versorgung und Schulbildung sowie Witwen-, Waisen- und Altersrenten.

Anders als etwa in Bahrain sind noch genug Ölvorräte da, um solche Sozialleistungen auch in Zukuft zu finanzieren.

Nachdem Gaddafi ausländische Erdölgesellschaften enteignet hatte, galt er über Jahrzehnte als Terroristenfreund und ausgemachter Feind des Westens. Nach dem Kollaps seiner Freunde im Osten vor gut 20 Jahren hat er aber mit einem klaren Kurswechsel sein Land in die internationale Gemeinschaft zurück geführt.