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Interview mit Italiens Außenminister Franco Fratini

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Interview mit Italiens Außenminister Franco Fratini

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Welche Rolle sollte, welche Rolle könnte die Europäische Union jetzt angesichts der vielen auf Lampedusa landenden Flüchtlinge spielen?

euronews-Reporter Annibale Fracasso sprach mit dem italienischen Außenminister Franco Fratini.

Annibale Fracasso. euronews:
Er erscheint wie eine biblische Völkerwanderung aus den Ländern des Magreb.
Minister Umberto Bossi von der Lega Nord hat gesagt, man müsse das Problem an Frankreich und Deutschland weiterreichen.
Das ist natürlich als Provokation gemeint.
Aber Italien steht mit Lampedusa in der ersten Reihe. Wo steht die EU?

Franco Frattini. Italian Foreign Minister:
Bedauerlicherweise hat sie ausweichende Antworten gegeben. Wir haben Europa dringend gebeten einzugreifen, weil das nicht nur eine italienische oder sizilianische Frage ist.

Es ist eine europäische Frage. Wenn 200 000 oder 300 000 Verzweifelte sich nach Norden aufmachen, kann sich Italien ihnen nicht allein entgegenstellen.

Alle EU-Länder müssen gemeinsam das Problem in Angriff nehmen. Ansonsten würde ganz einfach das Prinzip der Solidarität nicht mehr gelten, das doch einen der Pfeiler der Europa-Gründung von 1957 bildet. Das käme der Zerschlagung einer Grundanforderung an Europa gleich. Wir arbeiten dafür, dass das nicht geschieht, dass Europa auch die Notlage gewältigt.

euronews:
Wie könnte es nach Ihrer Meinung in 5 Jahren aussehen?

Franco Frattini. Italian Foreign Minister:
Das können wir nicht sagen, wir stellen uns aber vor, Hilfe beim Prozeß des Wandels zu geben, ohne diesen Ländern eine Linie zu diktieren.

Nur jene, die die Araber nicht kennen, können so verantwortungslos sein zu glauben, wenn aus Rom, Brüssel oder Washington Direktiven kommen, werden die befolgt. Sie befolgen gar nichts.

Alle die Führer der Mittelmeer-Länder, die ich sehr gut kenne, gestehen Italien eine Fähigkeit zu:

jene, anderen keine Lehren zu erteilen sondern zuzuhören und zu helfen.

Das ist der richtige Weg.