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Libyens Chaos und Europas Abwarten

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Libyens Chaos und Europas Abwarten

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Es klingt zwar reichlich wirr, was Gaddafi da von sich gibt. Manch einer deutet es gar schon als den letzten Aufschrei eines Despoten, über den die Geschichte hinweggegangen ist. Aber Vorsicht: In Libyen ist die Geschichte noch unterwegs.

Und wie ihre nächste Station aussehen wird, vermag noch niemand vorauszusagen.

Noch schafft es das Gaddafi-Regime, Demonstranten zu seiner Verteidigung auf die Straße zu schicken. Wer da auf wen schießt und warum ist keineswegs immer so eindeutig auszumachen, wie es manche Meldungen erscheinen lassen, die ebenso euphorisch wie unüberprüfbar daherkommen.

Das hier ist Saif Gaddafi, eine der Söhne des Langzeit-Herrschers. Die Pose passt zu den Sprüchen seines Vaters, der verkündete, nicht weichen und notfalls als Märtyrer auf libyschem Boden sterben zu wollen.

Diese Bilder zeigen, dass auch Gaddafis Propagandaapparat zumindest in der Hauptstadt noch funktioniert. Dort leben viele der Gefolgsleute, die jetzt einiges zu verlieren haben.

Was von Gaddafi-Gegner da an verrosteter Militärtechnik westlichen Kameraleuten gezeigt wird, besagt doch nur, dass die Revolutionäre damit kaum gegen echte Truppen würden kämpfen können.

Diverse libysche Diplomaten haben wie hier bei den Vereinten Nationen schon die Seite gewechselt.

Ob aus Überzeugung oder aus taktischem Geschick – das mag dahingestellt sein.

Daheim rufen Sie:“Volk und Armee gemeinsam” und feiern Soldaten, die sich auf die Seite des Volkes geschlagen haben. Welche Stämme auf welcher Seite stehen, welche Rolle schwarzafrikanische Söldner spielen, darüber kursieren mehr Gerüchte als gesicherte Informationen.

Im Westen interessiert man sich mehr für die Ausreise der eigenen Bürger.

Davon wurden die westliches Außenministerien ebenso überrascht wie vorher im Falle von Tunesien und Ägypten.

Und was tun NATO und EU?

Erst einmal eine Weile nichts. Die Interessen sind gar zu unterschiedlich. Der deutsche Außenminister z.B. denkt laut über eine Flugverbotszone nach, damit Gaddafi nicht das eigene Volk bombardieren könne.

Laut Generalsekretär Rasmussen habe die NATO die Mittel, um als Koordinator zu agieren, falls einzelne Mitgliedsstaaten zu Aktionen greifen wollen.

Da wird von einigen Kommantatoren schon der Vergleich zum NATO-Einsatz im Kosovokrieg gezogen – anderen hingegen erscheint das zu weit hergeholt.