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Libyer mit Kriegsgerät aus Europa beschossen

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Libyer mit Kriegsgerät aus Europa beschossen

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21. Februar 2011 – 16.32 Uhr Ortszeit in Malta: zwei Kampfjets aus Libyen landen auf dem Internationalen Flughafen des Mittelmeerstaates.

Den Piloten war befohlen worden, Demonstranten in der Stadt Bengasi anzugreifen. Sie setzten sich stattdessen ab.

Aber eigentlich waren nur die Piloten aus Libyen. Die Flugzeuge, abkommandiert zum Beschuss der libyschen Bevölkerung, waren durch und durch europäisch – Mirage F1, produziert in Frankreich.

Kein Einzelfall, wie sich jetzt nach Recherchen des britischen “Guardian” herausstellt. In den fünf Jahren, nachdem das alte Waffenembargo der EU im Jahr 2004 aufgehoben wurde, haben EU-Staaten danach für mehr als 800 Millionen Euro Kriegsgerät an Gaddafis Staat verkauft, allen voran Italien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Nach einer anderen Statistik kaufte Libyen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Flugzeuge für fast 280 Millionen Euro, Gewehre für fast 100 und Elektronik für 85 Millionen. Kommen noch Munition und Zünder dazu, Tränengas, Chemiewaffen und andere kleinere Posten wie “Radioaktives”.

Nach der Fahnenflucht der Piloten zitierte die “Times of Malta” Augenzeugen aus Libyen: es sei nicht das erste Mal, dass Maschinen wie diese für Angriffe auf Zivilisten benutzt worden seien.

Seit Beginn der Unruhen sind in Libyen bis zu 6000 Menschen umgekommen, schätzen Menschenrechtsorganisationen.