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Chirac-Prozess: Auftakt ohne Angeklagten

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Chirac-Prozess: Auftakt ohne Angeklagten

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In Paris hat der Prozess gegen Ex-Präsident Jacques Chirac wegen Veruntreuung begonnen – allerdings ohne den Angeklagten selbst. Der 78-Jährige brauchte auf Antrag seiner Anwälte nicht zu erscheinen und bleibt voraussichtlich auch an diesem Dienstag fern. Beobachter spekulieren über seinen Gesundheitszustand – er soll schlecht hören und Probleme mit dem Gedächtnis haben.

Das Gericht will bis zum Dienstag zuerst über eine Verfahrensfrage entscheiden, die ein Mitbeschuldigter eingereicht hatte. Es geht um die Verfassungsmäßigkeit des Prozesses. Sollte diese von weiteren Instanzen geprüft werden müssen, würde sich der Prozess um Monate verzögern.

Mehrere Politiker, auch von der Opposition, erklärten das Verfahren für unnötig – Chiracs Anwalt hingegen bekräftigte, dass seinem Mandanten daran gelegen sei, den Prozess bald hinter sich zu bringen. Und der Anwalt der Nebenkläger betonte, über 7O Prozent der Franzosen wollten dieses Verfahren. Da könne man nicht versuchen, es zu verhindern. Es sollte aber auch keine Maskerade werden.

Chirac wird die Veruntreuung und Schaffung fiktiver Beschäftigungsverhältnisse für Bekannte und politische Günstlinge in seiner Zeit als Bürgermeister von Paris in den 90er Jahren vorgeworfen. Die Stadt Paris hat nach einem außergerichtlichen Vergleich über Entschädigungszahlungen darauf verzichtet, als Nebenklägerin aufzutreten.

Chirac drohen bis zu zehn Jahre Haft, doch rechnen viele nicht mit einer Verurteilung. Es ist das erste Mal, dass sich in Frankreich ein ehemaliges Staatsoberhaupt des Landes vor Gericht verantworten muss.