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Gaetan Mootoo, Amnesty International: "Elfenbeinküste erleidet Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten"

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Gaetan Mootoo, Amnesty International: "Elfenbeinküste erleidet Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten"

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euronews:
Gaetan Mootoo arbeitet als Wissenschaftler für Amnesty International, Spezialgebiet Westafrika.

Er hat gerade mehrere Wochen im Staat Elfenbeinküste verbracht. Sie sehen heute die Anhänger von Laurent Gbagbo und die Getreuen von Alessane Ouattara auf gleichen Niveau. In ihrem Bericht bewerten sie beide Lager als extrem gewalttätig.

Gaetan Mootoo:
Ja. Seit der Bekanntgabe der Wahlergebnisse, mit denen Ouatarra zum Wahlsieger erklärt wurde, haben wir das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen beobachtet.

In der Region um Abidjan wurden Anhänger von Alessane Ouatarra ohne Urteil hingerichtet.

Und mehrfach wurden Frauen Opfer sexueller Gewalt. Wir waren auch im Wsten der Elfenbeinküste, in einem Gebiet, das von den “Forces Nouvelles” von Ouatarra kontrolliert wird. Hier bekamen wir Informationen über Gewalttaten an Frauen, in die auch der Kommandant dieser Zone verwickelt sein soll.

Dabei handelt es sich nicht um Kleinigkeiten, die der Kontrolle der “Forces Nouvelles” entgangen sind.

Vielmehr haben sich Verantwortliche der “Forces Nouvelle” an den Vergewaltigungen beteiligt.

euronews:
In ihrem Bericht heisst es, die Frauen sind manchmal sogar Opfer der Gewalt beider revalisierender Seiten geworden.

Gaetan Mootoo:
Seit Beginn dieses Konfliktes, seit 2002, sind in unseren Augen die Frauen zu den “vergessenen Opfern” geworden. Die Frauen wurden Opfer der sexuellen Gewalt der Sicherheitskräfte von Laurent Gbagbo, Opfer von bewaffneten Oppositionsgruppen und ebenfalls von Milizen beider Seiten. Im Westen der Elfenbeiküste haben wir in einem Krankenhaus gearbeitet, in dem uns der Arzt sagt, er behandle ständig 25 bis 35 Vergewaltigungsopfer.

euronews:
Welche Rechtsmittel gibt es für die vergewaltigten Frauen?

Gaetan Mootoo:
Viele dieser Frauen sind mit juristischen Regeln nicht vertraut. Sie wissen nicht, wie man jemanden anzeigt.

euronews:
Wurden sie bedroht? Konnten sie Anzeige erstatten und wenn ja – wurden sie anschließend bedroht?

Gaetan Mootoo:
Anzeige erstatten konnten sie nicht, denn dafür waren in den Kommandoposten oft jene Männer zuständig, die sie vergewaltigt hatten.

Wir konnten in der ersten Zeit Frauen befragen, die medizinische Hilfe bekommen hatten und auch erfahren, dass die Vorgesetzten beider Seiten den Chefs der Kommandoposten die Weisung erteilt hatten, keine Ermittlungen wegen Vergewaltigung zu führen.

euronews:
Man sieht das Land heute am Rande des Bürgerkrieges. Tausende Zivilisten sind schon aus der Elfenbeinküste geflohen. Die Vereinten Nationen vermuten nahezu 400 Todesopfer. Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie diese Entwicklungen?

Gaetan Mootoo:
Seit der vergangenen Woche beobachten wir ein weiteres Ansteigen der Gewalt. Deren Ziel werden die Zivilisten, weshalb viele Einwohner ihre Wohnorte verlassen.

Wir haben zum Beispiel den Fall eines jungen Mannes bearbeibet, der erschlagen und verbrannt wurde, als er nach dem Weg fragte.

Milizonäre legten ihm einen Autoreifen um den Hals und zündeten den an.

So verbrannte er.