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Vorsitzende des ägyptischen Zentrums für Frauenrechte: Zusammenhang zwischen Demokratie und Frauenrechten

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Vorsitzende des ägyptischen Zentrums für Frauenrechte: Zusammenhang zwischen Demokratie und Frauenrechten

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euronews:
Die Anwältin Nehad Abo- Alkomsan leitet schon längere Zeit das regierungsunabhängige ägyptische Zentrum für Frauenrechte. Jetzt beschäftigt man sich dort mit der Rolle der Frauen in der Verfassung.
Können Sie Ihre Ziele bitte genauer erklären.

Nehad Abo-Alkomsa:

Wir wollen eine Reihe von Verfassungsartikeln zur Debatte stellen. Zuerst geht es dabei um den wichtigsten Artikel, das ist der Artikel 75, der verschiedene Auslegungen zulässt.

Dieser Artikel beschreibt die Voraussetzungen für eine Kandidatur zur Präsidentenwahl.

Zum Beispiel darf der Kandidat nicht mit einer ausländischen Frau verheiratet sein.

In der arabischen Sprache werden politische Positionen immer nur in der männlichen Form benannt, auch wenn von beiden Geschlechtern die Rede ist.

euronews:
Ist das ein linguistisches Problem oder steckt mehr dahinter?

Nehad Abo-Alkomsan:
Nachdem Präsident Mubarak zum Abdanken gezwungen wurde, sahen wir, dass immer noch versucht wird, Frauen von der Teilnahme am demokratischen Umgestaltungsprozeß auszuschließen. Ägyptens Frauen waren auf der Straße inmitten der Revolution dabei.

Und heute stellen wir fest, dass die Frauen bei der Zusammensetzung der Komitees übergangen werden. Zum Beispiel beim Komitte, das den Entwurf für eine neue Verfassung erarbeitet.

Es wird dominiert von einem Mann aus dem politischen Islam. Der Vorsitzende des Komitees ist Mitglied der Muslimbruderschaft.

Darum fürchten wir, dass die Muslimbruderschaft den Einfluß auf diese Kommission erkämpft.

Sie will weder einer Frau noch einem koptischen Christen die Mitarbeit in der Kommission gestatten.

Frauen sind bei uns in einer widersprüchlichen Lage. Einerseits haben sie die Kraft haben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, dann spielen sie eine wichtige Rolle in der Gesellschaft.

Wenn es andererseits um politische Entscheidungen geht, dann sieht es nach bewußter Ausgrenzung der Frauen aus.

euronews:
Für den 19. März ist ein Referendum zur Verfassungsänderung geplant. Was werden Sie als nächstes tun?

Nehad Abo-Alkomsan:
Wir wollen auf dem Tahrir-Platz demonstrieren.

Wenn wir das Thema “Teilnahme der Frauen” ansprechen, ist die Reaktion negativ und die Leute sagen:“Jetzt ist nicht die Zeit über Frauenrechte zu reden”. Wir wollen aufmerksam machen auf den Zusammenhang zwischen Demokratie und Teilnahme der Frauen. Anders gesagt, wir wollen das politische System ändern, das die Ägypter so lange unter Druck gesetzt hat.

euronews:
Wie interpretieren Sie die Reaktion auf den Vorschlag zur Verfassungsänderung? Würde das ägyptische Volk eine Frau als Staatsoberhaupt akzeptieren?

Nehad Abo-Alkomsan:
Die Reaktionen auf den Straßen machen uns Mut.

Mit dem jetzigen Text sind viele Menschen unzufrieden. Da ist eine breite Zustimmung zu unserer Position, es als ein Grundrecht anzusehen, dass Frauen nicht diskriminiert werden dürfen.

Unabhängig von der Umsetzung dieses Rechtes oder von der Bereitschaft der ägyptischen Gesellschaft, eine Präsidentin zu akzeptieren, ist es wichtig, das Grundprinzip der Gleichzeit durchzusetzen. Diese Revolution erwuchs aus den so wichtigen Prinzipien von Gerechtigkeit, Menschenwürde und Gleichheit.

> Frauen für Verfassungsänderung in Ägypten