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Cartoon Movie in Lyon

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Cartoon Movie in Lyon

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Welcher europäische Animationsfilm schafft es auf die Kinoleinwand? Zur diesjährigen Messe Cartoon Movie im französischen Lyon kamen mehr als 7000 Filmemacher aus 35 Ländern – Produzenten, Investoren und Filmverleiher. In Lyon hoffen sie auf Partner zur Finanzierung ihrer Projekte zu treffen. In den letzten drei Jahren konnte die Cartoon Movie ihre Teilnehmerzahl um 30 Prozent steigern.

Die Koproduzentenmesse wird vom MEDIA Programm der Europäischen Union finanziell unterstützt. Nahezu jeder europäische und auf Kinoleinwänden gezeigte Animationsfilm wurde hier aus der Taufe gehoben. Seit der ersten Cartoon Movie fanden hier 156 Filme mit einem Produktionsvolumen von 1,2 Millarden Dollar ihre Finanzierungsgrundlage.

Shootingstar dieser Ausgabe war das Projekt “1884: Yesterday’s Future”. Die 6,7 Millionen schwere Produktion dreht sich um einen Geheimagenten im Zeitalter der industriellen Revolution. Der ausführende Produzent des Films ist niemand geringeres als der Ex-Monty Python-Schauspieler Terry Gilliam. Die Regie wird Tim Ollive führen, der mit dem James Bond Streifen “Casino Royal” bereits Erfahrung im Geheimagentengenre vorweisen kann. Bisher sind zwei britische Produktionsfirmen in das Projekt eingestiegen. Malika Brahmi, die Produzentin des Films, hofft auf weiteres Interesse an ihrem Projekt:

“Wir haben den Pilotfilm im September, im Oktober abgeschlossen. Wir haben das Projekt zusammen mit Thierry Gilliam vorgestellt, der uns die Ehre erwiesen hat zum Parisfx-Treffen nach Paris zu kommen. Die Cartoon Movie hier in Lyon ist nun die überraschende Gelegenheit den französischen Projektanteil abzuschließen und zu finanzieren.”

Das tschechische Animationsstudio Maur Film bemühte sich in Lyon um die Finanzierung von 2,5 Millionen Euro für das 3D-Fußballmärchen “The Eleven”. Wie lange wird es wohl dauern die Produktion der 80minütigen Animation abzuschließen:

“Wir schaffen etwa fünf Sekunden pro Arbeistag. Bei dieser Produktion müssen wir etwa mit einem Jahren rechnen und für die Postproduktion noch ein Jahr. Insgesamt also zwei, vielleicht zweineinhalb Jahre.”

Ein Tabu bricht die französische Produktion “The Sucide Shop”. Zu deutsch: “Der Selbstmordladen”. Dort finden Todeswillige alles um möglichst bald das Zeitliche segnen zu können. Patrice Leconte, designierter Regisseur des Projekts:

“Ich hatte schon immer eine Schwäche für den Animationsfilm, für dessen Design, Zeichentrick und für Comics. Als Kind habe ich erste Animationsfilme gemacht, mit ausgeschnittenem Papier, Bild für Bild mit der Kamera meines Vaters. Ich habe das immer sehr gemocht. Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass ich mal einen abendfüllenden Trickfilm produzieren würde.”

Der Film “Ronal the Barbarian” wird in Lyon als bereits abgeschlossene Produktion angeboten. Philip Einstein Lipski, der Produzent des Films, sucht nun nach Abnehmern. Um die Vermarktung des Films und den Verkauf von Lizensierungsrechten macht er sich keinerlei Sorgen:

“Möglich sind Spiele, Unterwäsche – das wird sehr einfach umzusetzen sein. Das Design spricht doch für sich.”

A propos Lizenzen und Marketing. Was würde Bruno Bucher, schweizer Wirtschaftsprofessor und privater Filminvestor, den europäischen Animationsfilmproduzenten raten?

“Parallel zur Umsetzung des Films müssen sich die Produzenten auch gleich ums Marketing kümmern. Deswegen müssen sie über die jeweils aktuelle Produktionsphase hinaus wissen, wohin sich der Film letztlich entwickeln wird. Das würde ich empfehlen, aber daran halten sich nur wenige. Das Marketing sollte nicht erst greifen, wenn der Film fertig ist. Es sollte losgehen, sobald das Konzept steht. Marketing sollte Teil des Konzepts sein.”

Xiojuan Zhou, eine kanadische Produzentin, empfiehlt ihren europäischen Kollegen die Entwicklung ihrer Animationsfilmen als Marke:

“Wenn sie kommerziell einen Fuss in die Tür bekommen wollen, dann brauchen Sie eine Marke. Das ist für den Verkauf wichtig. Ließe sich aus dem Projekt eine Marke entwickeln und wie lässt sich diese aufbauen?”

Der Animationsfilm, “Wrinkels”, entsteht gerade aus einer bereits existierenden Marke, einer in Spanien bekannten Comikbuchreihe. Das Konzept zielt auf ein Publikum zwischen 25 und 55 Jahren.

Der zuständige Produzent, Manuel Cristobal, sucht sein Publikum nicht nur in den Kinosälen:

“Ich bin vom sehr starken Potential des Films überzeugt – für das Kino, denn DVD Markt, für video-on-demand und natürlich auch für das Fernsehen. Es wird ein menschliches Drama und daran liegt unserer Meinung nach die Stärke des Films.”

Das Filmforum Cartoon Movie fand das erste Mal im Jahr 1999 in Potsdam statt. Seit 2009 treffen sich die Teilnehmer im französischen Lyon.