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Japan - vom Leid der Überlebenden

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Japan - vom Leid der Überlebenden

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Nach Erdbeben und Tsunami kommt der Schnee.

Hier in Japans Norden ist der Winter noch nicht vorbei. Und so leiden die Menschen hier im 17.000-Einwohner-Ort Otsuchi gleich mehrfach. Nachdem das Beben ihre Häuser zerstört hat, sind sie obdachlos Schnee und Kälte ausgesetzt.

In den drei Notunterkünften herrscht wahrlich Not – kein Wasser, kein Strom, keine Heizung. Die Armee im Rettungseinsatz kann zusammen mit einem Rot-Kreuz-Team wenig machen. Es mangelt auch an Medikamenten.

Ayumi Yamazaki, 21jährige Mutter mit ihrem Baby im Arm, berichtet, wie sie teilen in der Not: ein wenig Suppe, ein paar Happen Brot. Sie sorgt sich um ihre sechs Monate alte Tochter und sagt dann in tapferer Hoffnung: “Es ist immer noch besser, als gar nichts zu essen.”

Überall hängen Listen mit den Namen von Vermissten. Am 6. Tag nach dem Erdbeben sinkt schon wegen der Kälte die Chance gegen Null, noch jemanden lebend zu bergen.

In Kamaichi, der nächstgelegenen Stadt, haben Helfer eine Telefonzentrale eingerichtet. So können Überlebende ihre besorgten Angehörigen in anderen Regionen anrufen. Eine wichtige moralische Stütze in dieser verzweifelten Lage.

In einem Nachbarort suchen Eltern nach ihrem Sohn.

Innerhalb von Sekunden haben die Naturgewalten Familien auseinander gerissen. Wie andere Familien auch suchen sie aus eigener Kraft zwischen eingestürzten Häuser. “Mehr als 5 Tage schon, dabei war seine Arbeitsstelle doch ganz in der Nähe. So langsam verlässt uns die Hoffnung”, sagt eine um Fassung ringende Mutter.

Auf Tokios sonst zu jeder Tageszeit belebten Straßen herrscht gespenstische Leere. Ausländer verlassen das Land und Japaner nutzen jede Möglichkeit, in die als sicher geltenden Regionen zu gelangen. Diese junge Frau sagt am Telefon:

“Ja, ich sollte weggehen. Aber meine Schwester erwartet in zwei Wochen ihr Baby. Sie ist zu einer anstrengenden Reise nicht mehr in der Lage. Also muss ich bleiben, um ihr beizustehen.”

Ein Hoffnungsschimmer in all dem Leid: Doktor Takashi Kano blieb in seiner Klinik bei seiner Patienten und traf dort nach drei Tagen seine Frau.

Gerade noch rechtzeitig, um die Geburt seines Sohnes zu erleben.