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Ist Gaddafi der eigentliche Gewinner?

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Ist Gaddafi der eigentliche Gewinner?

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Euronews: Claude Moniquet, Sie leiten in Brüssel ein Forschungsinstitut, das European Strategic Intelligence and Security Center.

Wir möchten Sie fragen: Wer hat denn nun mit diesem Waffenstillstand wen ausgetrickst? Ist es die Staatengemeinschaft mit ihrer Resolution, oder haben Gaddafi und sein Klan diese Staaten hereingelegt?

Moniquet: Ich glaube, Gaddafi verhält sich da ganz gerissen, wie früher schon mehrfach. Er will die Weltgemeinschaft hereinlegen, und damit wird es jetzt schwierig – unter anderem für die Arabische Liga. Aber das wird wohl nicht unbedingt den Lauf der Geschichte ändern.

Euronews: Trotzdem wirkt es so, als sei er jetzt der Gewinner.

Moniquet: Gaddafi ist eine äußerst interessante und komplexe Persönlichkeit. Wenn man ihn reden hört: Das geht immer einen Schritt vor, einen Schritt zurück, bei jedem Auftritt seit Beginn der Krise.

Und dann ist so jemand auch noch von anderen komplexen Menschen umgeben, von diesen Leuten, die seine Söhne sind und einigen seiner Berater wie Mussa Kussa, dem Außenminister.

Euronews: Bedeutet das einen Riss durch den Gaddafi-Klan?

Moniquet: Wenn, dann geht das wohl von seinen Söhnen aus. Sie sind ja gleichzeitig auch seine Stellvertreter und seine Berater. Aber untereinander sind sie Konkurrenten, die sich bekämpfen.

Vielleicht geschieht das aber auch aus Berechnung.

Gaddafi hat noch sehr schlechte Erinnerungen an die Angriffe der Amerikaner in den Achtzigern. Mit Sicherheit will er dieses Erlebnis nicht noch einmal haben. Er weiß, dass das ein sehr hoher Preis wäre.

Euronews: Blufft er auch ein bisschen?

Moniquet: Der Mann ist ja intelligent und weiß sich zu helfen. Aber jetzt glaube ich, er ist sehr weit gegangen; er wird es ganz einfach schwer haben, an der Macht zu bleiben.

Euronews: Will er vielleicht Zustände wie in Somalia?

Moniquet: Er will wohl Zeit gewinnen. Und um Zeit zu gewinnen, muss sich die Lage zuspitzen, eben auch wie in Somalia. Er denkt vielleicht, dass er da noch einen Trumpf ausspielen kann und ein paar Monate oder sogar Jahre gewinnen.

Euronews: Was für eine Haltung werden die anderen Staaten in den kommenden Stunden oder Tagen einnehmen?

Moniquet: Es kann jederzeit einen Moment geben, wo es sich zeigt, dass die Waffenruhe nicht richtig eingehalten wird: Dann würden sie einschreiten. Man kann sich auch sehr gut vorstellen, dass sie trotz allem die Flugverbotszone durchsetzen würden.