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Schüler eines Meisters: Barenboims Assistent Omer Meir Wellber

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Schüler eines Meisters: Barenboims Assistent Omer Meir Wellber

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Daniel Barenboim spielte jüngst an der Mailänder Scala die Klavierkonzerte von Franz List, begleitet vom Philharmonischen Orchester der Scala. In diesem Jahr wird der 200. Geburtstag des Komponisten gefeiert.

Musica filmte das Konzert und die Proben, dirigiert von einem jungen, talentierten Dirigenten aus Israel: Omer Meir Wellber.

Schon als Kind hat er Barenboim bewundert: “Ich erinnere mich: Barenboim ist jemand, nach dessen Konzertprogramm wir schon, als ich Kind war, unsere Reisen mit der Familie nach Europa geplant haben: Fahren wir nach Paris, Barenboim spielt dort! Fahren wir nach München…

Und später dann sein Assistent zu werden und sogar mehr als das: Die Gelegenheit zu haben, jemandem wie ihm nahe zu sein – das ist etwas, das dein Leben völlig verändert. Ich rede nicht nur über die Musik, sondern auch über die Politik, und vieles andere.”

Der 29-Jährige gilt als einer der talentiertesten und vielversprechendsten jungen Dirigenten Israels. Mit fünf begann er seine musikalische Ausbildung, er spielt Klavier, Violine und Akkordeon.

Seit 2009 ist er Assistent bei Barenboim an der Berliner Staatsoper und der Mailänder Scala. In diesem Jahr wurde er zum Chefdirigenten des Opernhauses in Valencia berufen.

Seinen Status als Assistent empfindet er als Privileg: “Einen solchen Meister zu haben, das ist etwas ganz anderes. Er ist sehr großzügig! Als Assistent kann man alles haben, wenn man will, man kann seine Studien betreiben, man kann lernen – er gibt dir dafür viel Zeit.”

Bei den Klavierkonzerten von Liszt stand er als Dirigent neben dem Pianisten Barenboim – eine besondere Situation, sagt er: “Man kann ein Protégé sein, aber irgendwann stehst du dann allein vor dem Orchester! Jetzt, dieses Mal, ist es noch viel besser: Ich bin derjenige, der vor dem Orchester steht, aber ich habe ihn hier neben mir, so kann er mir Tipps geben, er kann etwas sagen, das die Atmosphäre des Stückes vollkommen ändert. Das ist wunderbar. Man muss nur zuhören und lernen.

Ich bin privilegiert: Ich kann versuchen, ihn und das Orchester einander so nahe zu bringen wie möglich. Natürlich kommt vieles ganz von selbst, denn wenn der Pianist zu spielen beginnt, spürt man sofort eine bestimmte Artikulation, und das verändert sofort den nächsten Takt des Orchesters, denn sie hören zu und sie sehen es.

Andererseits, denke ich, muss man auch selbst … hier eine bestimmte Atmosphäre schaffen… da die Artikulation … da ist es zu laut… Ich möchte ihm so weit wie möglich ein Umfeld schaffen, so wie er selbst immer sagt: ‘Jeder denkt dasselbe.’ Es ist egal, was jeder Einzelne tut – wir alle denken dasselbe, wir alle haben dieselbe Richtung. Ich bin da noch nicht so ganz angelangt, er natürlich schon – aber immerhin versuche ich es!”

In unserem Video hören Sie Ausschnitte aus dem Klavierkonzert Nr. 2 in A-Dur von Franz Liszt.