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Tuberkulose bei Kindern

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Tuberkulose bei Kindern

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Das ist Jarvis, dieser sportliebende Junge aus Glasgow ist kürzlich erst von Tuberkulose geheilt worden. Zunächst wurde die Erkrankung als Asthma, Lungenentzündung und Herzerkrankung missinterpretiert. Die Ärzte brauchten neun Monate, um die wirkliche Ursache für Jarvis Zustand herauszufinden. Jarvis erklärt: “Zuerst wurde ich kurzatmig, mir fehlte es an Energie und ich hatte einen schlimmen Husten. Manchmal hatte ich auch Schmerzen in meiner Brust. Dann haben sie herausgefunden, dass es TBC war. Ich konnte zwei Monate nicht zur Schule gehen und musste viele Medikamente nehmen.”

Tuberkulose tritt in manchen Ländern so selten auf, dass viele Kinderärzte sie nicht in Betracht ziehen, außer der Patient gehört zu einer Risikogruppe. Oft wird nicht genau hingeschaut, meint Doktor Beate Kampmann vom Imperial College in London. “Ich denke im Fall von Jarvis muss man zunächst sagen, dass niemand an Tuberkulose gedacht hat. Es ist sehr schwierig eine Bandbreite an Tests zu verwenden, wenn man TBC nicht als Teil einer Diagnose in Betracht zieht. Tuberkulose wird in Europa als eine so gut wie ausgestorbene Krankheit wahrgenommen. Sie wird selten bei Erwachsenen vermutet und noch weniger bei Kindern. Denn die Zahl der infizierten Kinder ist gering, obwohl es Orte gibt, in denen TBC bei Kindern relativ häufig auftaucht.”

Obwohl das Auftreten von TBC in Jarvis Heimatstadt selten ist, hat er sich trotzdem infiziert – wahrscheinlich bei einem Lehrer, der ein Jahr zuvor erkrankte. Leider kann man sich weder auf Impfungen noch auf individuelle Testes hundertprozentig verlassen. Linda Kelly, Jarvis Mutter, erklärt: “Zuerst dachten wir nicht, dass es TBC ist, weil wir ihn haben impfen lassen. Wir wussten nicht, dass es nicht über diese Länge der Zeit hält. Der Mendel-Mantoux-Test war negativ. Die Gesundheitsexperten gingen davon aus, dass es eine Lungenentzündung war, und auch die Röntgenaufnahmen bestätigten dies. Deshalb sagte man uns, wir sollen uns keine Sorgen machen.”

Es ist viel schwieriger TBC bei Kindern zu diagnostizieren als bei Erwachsenen: Kinder haben für eine überzeugende Analyse nur geringen Auswurf mit ausreichend Bakterien. Für eine korrekte Diagnose, müssen die Kinderärzte ein großes Puzzle aus vielen Teilen zusammensetzen.

Beate Kampmann: “Das fängt damit an, TBC als eine Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Danach muss nachgeforscht werden, ob sich das Kind irgendwo angesteckt haben könnte, auch wenn es eine Weile zurückliegt. Dann muss eine umfangreiche Nachforschung angestellt werden und untersucht werden, ob das Kind Symptome von TBC zeigt. Diese können sehr unspezifisch sein, wie Gewichtsverlust, Husten, aber wenn es chronisch auftaucht, erklärt dies viel. Dann muss eine bestimmte mikrobiologische Analyse durchgeführt werden.”

Laut Experten braucht es noch einiges an Forschung, um die Diagnosemethoden zu verbessern. Außerdem müssen effizientere Medikamente gefunden werden, die die Therapiedauer verkürzen. Auch bessere Impfstoffe, die verschiedenste Formen der TBC verhindern, sind gefragt. Beate Kampmann: “In unserem Labor haben wir neue Antigene ausprobiert, Teil der hoffentlich verbesserten BCG Impfung, um zu sehen, ob Kinder auf diese Antigene reagieren.”

Der beste Schutz des Kindes vor TBC ist eine frühere Behandlung der Erwachsenen, sagte Davide Manissero, die das TBC-Programm beim Europäisches Zentrum für Prävention und die Kontrolle von Krankheiten koordiniert. Dieses Zentrum hat das Ziel die EU-Bürger vor dem Ausbreiten von Infektionskrankheiten zu schützen.

“Innerhalb der Europäischen Union gehen die Herausforderungen über die Diagnose und Behandlung hinaus. Wir haben die noch nie dagewesene Chance, uns auf die Tuberkulose bei Kindern zu fokussieren, um eine Übertragung zwischen den Grenzen der EU zu verhindern. Die Mehrheit der Kinder mit TBC innerhalb der EU, infiziert sich innerhalb der Mitgliedsstaaten. Normalerweise stecken sie sich bei Erwachsenen an. Deshalb kann eine frühzeitige Erkennung und angemessene Behandlung eines Erwachsenen, die Übertragung auf Kinder verhindern.”

Die Diagnose und Behandlung bei Kindern ist eine große Herausforderung in allen europäischen Ländern. In diesem Krankenhaus in der rumänischen Stadt Brasov bleiben die kleinen Patienten mindestens ein halbes Jahr in Behandlung. Eine Patientin erklärt: “Ich wurde krank, als ich draußen spielte, dann erschien etwas seltsames auf meiner Haut, deshalb brachte mich meine Großmutter hier her.” Diese kleine Patientin erzählt: “Ich habe mich bei meiner Schwester angesteckt, sie ist gestorben. Ich muss im Krankenhaus bleiben, damit ich behandelt werden kann.”

Jedes Kind muss pro Tag eine Vielzahl verschiedenster Medikamente einnehmen – insgesamt sind es mehr als 1.000 Pillen während der Standardbehandlung von sechs Monaten.Die Pillen sind für Kinder nicht ideal, für sie ist es schwierig, diese zu schlucken, und viele haben Nebenwirkungen, wie Erbrechen. Bisher gibt es keine Alternative.

Die Chefin der Kinderabteilung im Krankenhaus von Brasov unterstreicht: “Das, was sie hier sehen, ist die Gesamtzahl an Pillen, die ein Kind während der sechsmonatigen Behandlungsdauer bekommt. Problematisch ist, dass die Kinder dieselben Pillen nehmen, wie Erwachsene. Es wäre besser, wenn es ein kinderfreundlicheres Format geben würde – wie zum Beispiel in Form von Sirup oder auflösbarer Tabletten, mit Geschmack. Das wäre für die Kinder leichter.”

In dieser globalisierten Welt, kann sich keine Region sicher fühlen. Es ist unmöglich, eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Die Eliminierung der Tuberkulose in Europa und anderswo kann nur möglich werden, wenn es eine Bandbreite von internationalen Bemühungen gibt – nicht nur medizinisch. Ein Schlüsselaspekt ist auch die soziale und wirtschaftliche Situation von TBC gefährdeten Kindern.

Davide Manissero: “Über das letzte Jahrhundert, haben sich in der EU 40.000 Kinder mit Tuberkulose angesteckt, allein 3.300 infizierten sich vergangenes Jahr. Hinter jedem Fall steckt ein Kind, dass eine enorme Herausforderung bezüglich der Diagnose und Behandlung durchmachen muss. Wir müssen bessere Diagnostiken entwickeln – nicht nur, um TBC bei Erwachsenen zu diagnostizieren, sondern im speziellen bei Kindern. Gleichzeitig müssen wir kinderfreundlichere Medikamente entwickeln, die die Behandlung von TBC bei Kindern weniger schmerzhaft und schwierig machen.”

www.ecdc.europa.eu