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"Kein Angriff am Boden in Libyen"

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"Kein Angriff am Boden in Libyen"

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Die Situation in Libyen bewertet nun für uns der ehemalige Befehlshaber der französischen Streitkräfte und einstige Botschafter in Tunesien, Admiral Jacques Lanxade. Guten Tag, Herr Admiral.

euronews: “Am fünften Tag der Militärintervention in Liyben haben sich die Mitglieder der Koalition auf eine Rolle für die Nato geeinigt. Paris spricht von einer technischen Rolle. Warum hat das so lange gedauert?”

Jacques Lanxade: “Ich glaube, die französische Position, aber auch die einiger anderer Länder, war, dass die Nato in der arabischen Welt ein offensives Image hat, dass die westlichen Nationen gegenüber Schwellenländern sehr übertreiben. Also war die Idee, dass diese Koalition eine Koalition der internationalen Gemeinschaft sein sollte, in der nicht nur okzidentale Kräfte verammelt sind, sondern auch arabische. Also erschien der Nato Frankreich nicht sehr angemessen.”

en: “Es ist leicht, einen Krieg zu beginnen, es ist schwerer, ihn zu beenden. Es ist schwer sich vorzustellen, dass das Regime in Libyen von Innen heraus fällt. Welche Strategie sollte die internationale Koalition Ihrer Auffassung nach verfolgen?”

JL: “Meinem Gefühl nach haben wir zwei Szenarien vor uns. Das erste ist, dass Gaddafi von seiner Umgebung gestürzt wird und sich vielleicht zurückzieht. Heute spricht man bereits von Verhandlungen darüber, wie der libysche Revolutionsführer abtreten kann. Ich bin aber nicht sicher, ob das so ablaufen wird. Das andere Szenarium ist leider der Status Quo, also eine Teilung des Landes. Auf der einen Seite der Osten unter Kontrolle der Oppositionellen und Tripolis unter Kontrolle Gaddafis; ich denke das zweite ist wahrscheinlicher. “

en: “Jetzt, da die Flugverbotszone eingerichtet ist, muss man auf dem Boden eingreifen?”

JL: “Man darf ganz sicher nicht auf dem Boden eingreifen, außerdem erlaubt das die Resolution der Vereinten Nationen nicht. Es könnte sehr gefährlich sein, das zu tun. Ich denke, dass es jetzt an den Libyern ist, eine Lösung zu finden. Das heisst, die Opposition muss sehen, wie sie die Ereignisse voranbringt, ob sie in der Lage ist, Gaddafi zum Rückzug zu bewegen, denn mit Gaddafi an der Macht gibt es keine Lösung.”

en: “Kann man sich einen Angriff der internationalen Koalition auf Gaddafi vorstellen, einen indirekten Angriff, denn einen direkten erlaubt das Mandat der Vereinten Nationen ja nicht?”

JL: “Ich glaube nicht, dass man Gaddafi erwischen kann, er ist extrem vorsichtig. Er verfügt über unterirdische Bunker. Man kann sicherlich in seinem Umfeld einige Dinge auslöschen und seine Situation so erschweren. Aber physisch, außer bei einem Unfall, ist es sehr schwer ihn zu erwischen.”

en: “Admiral Jacques Lanxade, ehemaliger Stabschef der französischen Streitkräfte, vielen Dank, dass Sie euronews geantwortet haben.”