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Lampedusa - Insel der Verzweifelten

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Lampedusa - Insel der Verzweifelten

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Lampedusa ist überlaufen, überfüllt, überbevölkert, vollgemüllt. Und noch ist kein Ende der Negativschlagzeilen abzusehen für das doch eigentlich ganz freundliche Inselchen im Mittelmeer.

Kein Ende der menschlichen Dramen.

Lampedusa isr für die Verzweifelten Nordafrikas zum Eingangstor zum gelobten Kontinet Europa geworden.

Lampedusas Problem: Nirgends sonst ist der Weg so kurz. Die knapp hundert Kilometer übers Meer sind von Tunesien aus auch in kleinen Fischerbooten zu schaffen.

Die ersten “Bootsflüchtlinge” kamen Ende der ´90er Jahre. 2000 wurden 239 gezählt – die waren noch recht einfach unterzubringen. Dann wurden es mit jedem Jahr mehr. Und nun erstickt die Insel unter den anstürmenden Menschenmassen.

Lampedusa ist etwa so klein wie die deutsche Ostseeinsel Hiddensee – um die 20 Quadratkilometer. 6000 Einwohner sollen nun allein in einer Woche ebensoviele Flüchtlinge verkraften.

Es geht nicht mehr, sie schicken schon ihre Kinder zu Verwandten in “normale” Gegenden, weil die Luft nicht mehr Atmen reicht, beklagt eine aufgebrachte Mutter den Streß der Einheimischen.

Eigentlich lebte die Insel von Tourismus und Fischerei. Seit solche Bilder verbreitet werden, kommen natürlich keine Touristen mehr.

Und wo sollten die auch hin. Jedes Eckchen ist mit Flüchtlingen überbelegt. Auch auf dem einzigen Campingplatz. Und trotzdem müssen noch 4.000 Menschen draußen übernachten. Die Inselbehörden sind mit der Versorgung völlig überfordert.

Zuerst machten tunesische Fischer jenen von Lampedusa auf dem Meer Konkurrenz – jetzt blockieren die vielen tunesischen Flüchtlingsboote den Hafen. Hier weiss keiner mehr, wie es weitergehen soll.

Die Infrastruktur der Insel ist nicht nur überlastet, die Insel Lampedusa hat ihre wirtschaftlichen Grundlagen verloren. Und wer selber keine Einnahmen mehr hat, der kann auch anderen nicht hilfreich unter die Arme greifen.

Bürgermeister Salvatore Martello macht die simple Rechnung auf: Wenn die Flüchtlingszahlen von 800 auf 5.000 oder 6.000 hochschnellen, dann gerät das ganze System aus dem Gleichgewicht. Die Bevölkerung kann damit nicht mehr in Frieden leben.

Das Problem kommt für die Bewohner von Lampedusa übers Meer. Auch Hilfe für sie kann jetzt nur übers Meer kommen. Aber aus nördlicher Richtung. Vor da, wo Europa liegt, der reiche Kontinent.