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Ein Augenzeugenbericht aus Abidjan

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Ein Augenzeugenbericht aus Abidjan

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Die Menschen in der Elfenbeinküste sind verstört, die ständigen Kämpfe haben sie zermürbt. Der Geschäftsmann Jamal Wehabi verfolgt die Ereignisse im Zentrum von Abidjan von seinem Balkon aus und berichtet per Telefon:

“Von meinem Haus aus sehe ich seit zwei oder drei Stunden einen Konvoi der französischen Armee, der französische Staatsbürger befördert. Ich sehe auch mit Kalaschnikoffs bewaffnete Jugendliche in Autos. Ich weiß nicht, ob es Patrioten oder Rebellen sind. Heute weiß man nie, wer auf welcher Seite steht.

Wir haben alle Angst. Natürlich haben wir Angst um unser Leben. Man weiß, dass es Gerüchte gibt, wonach es in einigen Vierteln zu Plünderungen und Gewalttaten gekommen ist. Wir fürchten uns, wir haben Angst. Darum schließen wir uns daheim ein. Wir haben sogar Angst auf den Balkon zu gehen. Es ist ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit.

Jetzt, während ich spreche, höre ich nicht weit entfernt Schüsse.

Stehen wir vor einem blutigen Kampf? Wir alle hoffen, dass die Antwort nein ist. Aber trotzdem muss man auf alles vorbereitet sein. Und vielleicht steht uns das Schlimmste erst bevor.

Wenn es zu einem Blutbad kommt, wäre das schrecklich. Abidjan hat mehr als fünf Millionen Einwohner. Mit all diesen Bewaffneten könnte es tausende unschuldige Opfer geben.

Ich denke, es hat bereits genug Tote und genug Gewalt auf beiden Seiten gegeben. Es ist genug. Die Elfenbeinküste ist der Gewalt müde. Die Menschen hier sind der Gewalt müde.”