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Interview: Wie ist Portugal zu retten?

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Interview: Wie ist Portugal zu retten?

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Portugal steckt in einer schweren Schuldenkrise, und dennoch lehnt die scheidende Regierung das Hilfspaket der EU deutlich ab.

Der zurückgetretene Ministerpräsident José Sócrates will Proteste der Bevölkerung, wie sie in Griechenland stattgefunden haben, verhindern.

Sollte sich Portugal dazu entscheiden, den Rettungsfond der EU in Anspruch zu nehmen, muss das Land massive Sparmassnahmen ergreifen. Diese werden den Menschen in Portugal nicht gefallen.

Regierung und Oppositionsparteien haben das Land nun auch in die politische Krise geführt. Die Konsequenz: Noch tiefere Löcher im Haushalt durch die hohen Kreditsätze für die (Neu)verschuldung.

Nuno Saraiva, stellvertretender Chef der Tageszeitung Diario de Notícias, im Interview mit Ana Miranda, euronews:

euronews:
Wir stehen einem flagranten Beispiel von fehlender politischer Transparenz gegenüber. Ist jemand mit der wirklichen Haushaltssituation in Portugal vertraut?

Saraiva:
Zuerst müssen wir auf die Unterschiede zu Griechenland und Irland im Gegensatz zu Portugal hinweisen. Vor kurzem ist eine EU-Delegation nach Lissabon gekommen, um den öffentlichen Haushalt zu überprüfen. Sie hat keine Auffälligkeiten festgestellt.

Übrigens hat die EU immer gesagt, dass sich alles mit dem in Brüssel getroffenen Kompromiss deckt.

Auf der andereren Seite müssen wir aber auch klarstellen, dass die Überprüfung des öffentlichen Defizits daher rührt, dass die Eurostat-Behörde neue Rechnungsgrundlagen berücksichtigt hat, die die öffentliche Verschuldung zusätzlich ausgehöhlt haben.

euronews:
Der Ruf nach Hilfe aus dem Ausland scheint derzeit unvermeidbar – trotz den Vorbehalten der meisten Politiker.Wer in Portugal hat Angst vor dem IWF? Und warum?

Saraiva:
Ich glaube, alle haben Angst. Wir haben das doch kürzlich in Griechenland und Irland feststellen können: Wenn der internationale Währungsfonds egal in welchem Land mit von der Partie ist, bedeutet das nicht unbedingt, dass sich die Lage verbessert. Das Gegenteil ist der Fall.

Wenn Portugal die Mittel hat, sich allein durchzukämpfen – das wäre jedenfalls wünschenswert, dann ist das weniger schwierig oder hart für die Familien, als wenn der IWF hinzukommt. Der Internationale Währungsfonds ist nämlich nicht nur für kurze Zeit, sondern immer für länger mit dabei. Und es dauert so seine Zeit, bis sich ein Land nach den vom IWF auferlegten Sparmaßnahmen wieder aufrappelt.

euronews:
Wenn auch die nächste Regierung die Hilfe des IWF ausschlägt, welche Lösung bleibt dem Land, um nicht zusammenzubrechen? Könnte es den Euro abschaffen?

Saraiva:
Aus dem Euro auszusteigen, ist nicht machbar. Was passieren sollte: Die kommende Regierung muss die selben Maßnahmen annehmen, die gerade durch das Parlament gefallen sind. Die selben Maßnahmen, zu denen sich der scheidende Ministerpräsident bekannt hat. Die neue Regierung könnte sie sogar verschärfen. Wenn die kommenden Staatsanleihen uns nicht finanzieren können, dann bedeutet das: Wenn wir uns nicht rechtzeitig um ausreichend Hilfe von außen bemühen, gehen wir Bankrott.