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Wohin mit Gaddafi?

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Wohin mit Gaddafi?

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Menschliche Schutzschilde zur Verteidigung eines wankenden Herrschers.

Diese Gadaffi-Anhänger lassen sich symbolträchtig vor jener Ruine fotografieren, die als Denkmal für den ersten US-Angriff auf den “Bruder Führer” 1986 stehen blieb. Gaddafi hat allen Grund, die Getreuen, die ihm noch bleiben, vorzuführen.

Schließlich laufen ihm immer mehr davon,

natürlich nicht die einfachen Chargen sondern jene, die sich als Überläufer eine Belohnung vom Westen erhoffen. Zuerst der UN-Vertreter Libyens,

dann sogar dessen Chef, der Außenminister.

Am Wochenende der Gaddafi-Berater Ali Tikri.

Die Überläufer treffen sich derzeit in London, wo in der vergangenen Woche die Außenminister der am Lufteinsatz über Libyen beteiligten Staaten konferierten. Dort sagte US-Außenministerin Hillary Clinton: “Wir müssen uns wieter für ein Libyen einsetzen, das nicht dem Diktator gehört sondern dem libyschen Volk.” Sie bekundete Übereinstimmung mit Arabischer Liga und Afrikanischer Union, die meinen Gaddafi müsse gehen, ein demokratischer Wandel sei nötig.

Gehen ja – aber wohin? Wer will ihn haben?

Schon sein tunesischer Nachbar Ben Ali musste sich in letzter Not mit einem Asyl in Saudi Arabien begnügen, mit dessen Herrschern er eigentlich nichts zu tun haben wollte.

Als einziger “Freund” bleibt Gaddafi möglicherweise Hugo Chavez. Der schert sich bekanntermaßen nicht um die Weltmeinung.

Mit ihm verbindet Gaddafi zumindest die Abneigung gegenüber den USA.

Von den afrikanischen Staatschefs dürfte ihm höchstens noch der ebenfalls international geächtete Zimbabwer Robert Mugabe gewogen bleiben. Gaddafi einen geordneten Abgang zu ermöglichen, um Blutvergießen zu vermeinden – das ist eine nette Idee der internationalen Gemeinschaft. Nur wohin mit ihm?

Die Anhänger, die Gaddafi noch bleiben, das sind natürlich all jene, denen unter seinem Regime besser ging als der Masse, die etwas zu verlieren haben. Und sie haben eine klare Führung – anders als die Rebellen.

Gaddafis Gegnern fehlen Führung und Ausbildung.

Es sind zumeist junge Männer mit mehr Zorn und Selbstbewußtsein als Ideen. Sie haben Waffen erobert und lernen eben erst, damit umzugehen.

Andererseits: Solange es keine Führungspersönlichkeiten gibt, lassen sich die Unzufriedenen leichter unter allgemeinen Losungen wie “Freiheit und Demokratie” sammeln.

Die Probleme kommen erst noch, wenn der Diktator weg ist und seine Gegner sich auf den Weg danach einigen sollen.