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Kann Berlusconi über "Ruby-gate" stopern?

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Kann Berlusconi über "Ruby-gate" stopern?

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Sollte der all-mächtige Silvio Berlusconi am Ende über dieses Mädchen stolpern? Die Bilder stammen von der Geburtstagsfeier der Karina El Mahroug. Im November wurde die Marokkanerin 18 – und damit volljährig. Im Prozeß geht es um die Monate davor, um die Frage, ob der italienische Regierungschef die noch Minderjährige für Sex bezahlt hat.

Dafür sieht das Gesetz bis zu 15 Jahre Gefängnis vor. 187.000 Euros soll das Escortgirl mit dem Szenenamen “Ruby” bekommen haben für insgesamt 13 “Bunga-bunga-Parties” hier in Berlusconis Villa zwischen Februar und Mai 2010.

Bekannt wurde Ruby erst, nachdem der Politiker für sie in eine Polizeiermittlung eingriff. “Ruby” war beim Ladendiebstahl im Mai 2010 erwischt worden und Berlusconi erwirkte ihre Freilassung mit der falschen Behauptung, sie sei die Nichte von Husni Mubarak, damals noch ägyptischer Präsident.

Für diese Art von Amtsmißbrauch sieht das Strafgesetzbuch bis zu 12 Jahre Haft vor.

Zur Zeit laufen vier Ermittlungsverfahren gegen Berlusconi, u.a. wegen Bestechung. Verurteilt wurde er noch nie. Er schaffte es bisher immer, mit seiner Parlamentsmehrheit Gesetze zu seinen Gunsten zu ändern oder die Prozesse so lange hinzuziehen, bis das Delikt verjährt war.

Das ist Nicole Minetti, ursprünglich für Berlusconis Zahnhygiene zuständig. Später dann für die jungen Damen, die seine Feste verschönern sollten.

Ihr wird Förderung der Prostitution vorgeworfen.

Als im Januar der Skandal hochkochte, leugnete sie alles und Silvio Berlusconi, der sich stets als “Opfer linker Staatsanwälte” bezeichnet, sagte, es habe keinen Amtsmißbrauch gegeben, keine Prostitution, schon gar nicht von Minderjährigen.

Er habe nichts getan, wofür er sich schämen müsste.

Da druckte nun kurz vor Prozeßbeginn, am 5.4.2011, die Zeitung “Corriere della sera” den Text eines von Ermittlern abgehörten Telefongesprächs zwischen Minetti und Berlusconi vom 1. August 2010. Der Politiker sagt darin, es sei wichtig, dass mehrere Leute bezeugen, Ruby habe gelogen, sie habe ihr Alter falsch angegeben.

Angesichts der anderen Ermittlungen wegen Bestechung und Steuerhinterziehung erscheint diese Geschichte eher unwichtig.

Aber auch ein Al Capone stolperte am Ende nicht über Kapitalverbrechen – sondern über eine Kleinigkeit.